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Donnerstag, 22. Juni 2017

Aktuelle Nachrichten aus Naumburg

Pomologen setzen sich für eine nachhaltige Pflanzung von Obstbäumen ein

Pomologen aus Deutschland, Belgien und dem Elsass trafen sich zur Tagung im verdi-Haus in Naumburg. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Einmal jährlich tauschen sich die Vereinsmitglieder des Pomologen-Verein e. V., angeregt durch zahlreiche praktische und wissenschaftliche Vorträge, über aktuelle Entwicklungen im Obstbau aus. Die knapp 60 Teilnehmer, die 1-2 Übernachtungen in Naumburg buchten, kamen aus dem gesamten Bundesgebiet und den angrenzenden Ländern Belgien und Frankreich nach Nordhessen. Der Pomologen-Verein e. V. genießt hier die zentrale ruhige Lage und den tollen Service im Haus Naumburg der verdi Bildungszentrale.

Immer wieder spannend sind die Regeln für Baumpflanzungen und Schnitt. Philipp Funck, Diplomforstwirt und Bausachverständiger, informierte über Auflagen zur Pflanzung von Obstbäumen in öffentlichem Grün. So ist man sich heute einig, zur Straße hin ein lichtes Raumprofil von 4,50 m einzuhalten, über Radwegen aber nur noch 2,50 m und zum Feld gar nur ca. 1,25 m. Es wird allerdings auch bei einer straßenbegleitenden Pflanzung immer von Straßenbaum gesprochen und hier ist eine Nachpflanzung nur bei genügend Platz sinnvoll. Nur so kann ein Obstbaum seine sortentypische Kronenform erreichen. Die Arbeitsgemeinschaft für neue Obstbaumpflege e. V. erarbeitet derzeit Standards und Ausschreibungen für fachgerechten Obstbaumschnitt und will hiermit denen eine Handreichung zur Seite stellen, die Obstflächen mit öffentlichen Mitteln anlegen. Nicht nur die richtige Pflanzung (Wurzelansatz bitte immer in der Höhe pflanzen, wie er in der Baumschule sich entwickelt hat), sondern gerade die Pflege ist in den Anfangsjahren wegweisend für den Baum und muss bei Ausgleichsmaßnahmen etc. mitbedacht werden.

Mycorrhiza (Frank, 1885: gr. mukes=Pilz, rhiza=Wurzel), die Symbiose zwischen Pilz und Pflanzenwurzeln, ist ein Garant für gesunde Pflanzen. Die Pilze bilden im Boden ein Geflecht aus zahlreichen feinen Fäden, die die Nährstoffe Phosphat und Nitrat aus dem Boden sehr viel intensiver an die Pflanze weiterreichen. Zudem erschließen sie die Wasserreservoire des Bodens ausgiebiger und weiträumiger. Gerade Obstbäume profitieren von dieser Symbiose, die sich in jedem gesunden Boden von selber einstellt. Die Fruchtkörper wie Birkenpilz und Morcheln sind nur ein kleiner Ausschnitt aus den vielfältigen Formen der Pilze.

Auch viele Ackerpflanzen können aus dieser Symbiose mit Mycorrhizapilzen profitieren, wenn sie sich denn im Boden ausbilden dürfen. Durch eine intensivere Aggregatbildung erhalten wir eine verbesserte Bodenstruktur, weniger Bodenerrosion und eine erhöhte Wasserspeicherung. Dies ist vor dem Hintergrund der fehlenden Frühjahrssättigung im Boden durch fehlende Niederschläge im Winterhalbjahr von zunehmender Bedeutung. Je weniger Bodenbearbeitung, desto größer die Chance auf eine gute Bodenentwicklung.

Ob Vermarktung & Öffentlichkeitsarbeit präsentiert von den Streuobstwiesenrettern aus dem Odenwald, Umweltbildung mit Beispielen aus Sachsen, der Obstbau im Elsass, die Erfassung von Kirschenbeständen im Alten Land oder „Wie kommt der Geschmack in unseren Apfel?“. Die Themen waren bunt und regten zu spannenden Gesprächen an.

03.05.2017 13:15 Alter: 50 Tage