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Mittwoch, 29. März 2017

Hauschronik für Naumburg bis zum Jahr 1945

von Dr. Volker Knöppel

Zur Veröffentlichung auf der Internetseite der Stadt Naumburg Stand 18. 06. 2011

Die Naumburger Hauschronik habe ich auf der Grundlage des ältesten nachweisbaren Hausnummernsystems aus dem 18. Jh. aufgebaut. Hausnummern im heutigen Sinn wurden infolge der Errichtung der Brandkasse in Kassel durch Verordnung vom 27.4.1767 für die Landgrafschaft Hessen eingeführt. Danach wurden die Wohnhäuser mit fortlaufenden Hausnummern versehen, Nebengebäude wie Scheunen und Ställe wurden unter der jeweiligen Nummer mit Buchstaben aufgeführt. Da das Amt Naumburg erst nach dem Reichsdeputationshauptschluß von 1803 als Teil des neuen Fürstentums Fritzlar hessisch wurde, kann angenommen werden, daß die Systematik der im benachbarten Hessen bereits eingeführten Hausnummern erst nach diesem Zeitpunkt übernommen worden sind.

Hausnummern mit Bruchteilen sind offensichtlich erst nach der ersten Erstellung des Brandkatasters eingeführt worden, entweder infolge Hausneubaus oder durch Teilung eines bereits vorhandenen Gebäudes auf verschiedene Eigentümer.

Die Einteilung Naumburgs in vier Stadtviertel ist schon in der 2.Hälfte des 16. Jh. nachweisbar. Im Zusammenhang mit der Durchführung der Gegenreformation wurde damals die Einwohnerschaft gemäß der Einteilung in die Viertel zum Marktplatz einberufen, um die Anordnungen des neuen Landesherrn entgegenzunehmen. Und in der 1.Hälfte des 17. Jh. wird in den Naumburger Stadtrechnungen das Amt des Viertelmeisters erwähnt. Die Einteilung in vier Bezirke ist keine Naumburger Besonderheit, sie ist z.B. in der Stadt Wildungen ebenfalls überliefert.

Die Namen der Stadtviertel

die Buchstabenkennung

Altenhagener Viertel

A

Untergässer Viertel

B

Immenhäuser Viertel

C

Marktviertel

D

Bei der Einteilung der Stadtviertel fällt auf, daß das Viertel A nur innerhalb der Stadtmauer liegt. In den Stadtvierteln B, C und D führt die Einteilung der Hausnummern über den mittelalterlichen Stadtmauerring hinaus. Im Stadtviertel C ist bis zur Nummer 57 die ursprüngliche Einteilung nachzuvollziehen, da das Schützenhaus noch zum historischen Gebäudebestand zählt. Die Einteilung der weiteren Hausnummern ab C 58 für das 1823 errichtete staatliche Forstamt erfolgte in der Reihenfolge ihrer Erbauung. Sofern innerhalb des mit Hausnummern versehenen Häuserbestandes weitere Gebäude errichtet wurden, war die Hausnummer eine Bruchzahl, idR. zuerst ½, dann ¼ usw.

Mitte der 1950er Jahre wurde aus Anlaß der Neuvermessung der Ortslage „diese unübersichtliche und unzweckmäßige Nummerierung beseitigt und eine solche nach Straßen mit Hausnummern durchgeführt.“ Bis zum Ende der mainzischen Zeit wurden Wohnhäuser idR. nur innerhalb des Stadtmauerrings errichtet, der insoweit zugleich die Bebauungsgrenze darstellte. Ausnahmen stellten lediglich die Mühlen sowie das Schützenhaus, Lohhaus und die Zehntscheune dar. Im weiteren Verlauf des 19. Jh. dehnte sich die Wohnbebauung entlang dreier Landstraßen aus, in Richtung Altenstädt, Ippinghausen und Fritzlar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Bebauung des Kuhbergs, später des Eulenbergs und nach dem Bau der Elbetalschule auch im Bereich des Hinteren Kuhbergs.

Nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 1.12.1890 gab es in Naumburg 1246 Einwohner, die in 232 Wohnhäusern in 306 Haushaltungen lebten (Wolfhager Kreisblatt v. 1.8.1891).

Die Angaben zu den Hausbewohnern und Eigentümern sind den unterschiedlichsten Quellen des Staatsarchivs Marburg und des Stadtarchivs Naumburg entnommen.

Für den Geschichtsverein Naumburg

Dr. Volker Knöppel