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Freitag, 28. April 2017

Pressemitteilung der Bürgerinitiative Wolfhagerland gegen Suedlink (BI) vom 29. März 2015


Trassenbau entspricht nicht dem Wohl der Allgemeinheit

Trassenbau behindert die Energiewende

Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Wolfhagerland gegen Suedlink am 23. März 2015 in Naumburg zum Thema: Was brauchen wir für das Gelingen der Energiewende " Stromtrassen oder Energiespeicher"

Zu Beginn berichtete Ursula Günther den 100 Interessierten von der bisherigen Arbeit der BI. So wurde ein Positionspapier erarbeitet und in Form eines Flyers herausgegeben, Unterschriften gegen Suedlink gesammelt (1.588 Bürger sprachen sich gegen dieses Projekt aus) und öffentliche Aktionen der benachbarten BI in Bad Emstal unterstützt. Als Etappensieg der Arbeit des Bündnisses der Bürgerinitiativen auf Bundes- und Landesebene wertete Frau Günther die Zurückweisung des Antrages von Tennet durch die Bundesnetzagentur und das Verschieben der Antragskonferenzen auf Herbst 2015. Mittlerweile haben sich die Landräte im Weserbergland und Hessen entlang des geplanten Trassenverlaufs zum "Hamelner Kreis" zusammengeschlossen und Juristen mit der Bewertung der Suedlinkplanungen beauftragt. Die Anwälte kamen zum Ergebnis, dass die Planungen nicht einer guten fachlichen Praxis entsprechen, da die vorgesehenen Trassenkorridore und Alternativtrassen nicht anhand einheitlicher Kriterien festgelegt wurden. Diese Stellungnahme wird sowohl dem Netzbetreiber Tennet als auch der Bundesnetzagentur vorgelegt werden.

In seinem Grußwort erklärte der Naumburger Bürgermeister Hable: "Die Besonderheit bei den Protesten gegen die geplante Suedlinktrasse ist, dass Kommunen, Bürgermeister und Bürgerinitiativen an einem Strang ziehen." Ferner legte er dar, welche finanziellen und personellen Belastungen es für die jeweiligen Kommunen bedeute, sich in die komplexe Thematik einzuarbeiten und gegen dieses Vorhaben zur Wehr zu setzen. So mussten Planer beauftragt werden, um qualifizierte Aussagen zu den sog. Raumwiderständen treffen zu können. Der Aufwand erhöhe sich, je mehr Alternativtrassen die Kommune beträfen.

Referent des Abends war Dipl.-Ing. Wolf von Fabeck vom Solarenergie-Förderverein Deutschland e. V. (SFV), der sich als Umweltschutzverein versteht. Dessen erklärtes Ziel ist, die Klimakatastrophe und die ungeklärten Abfälle der Atomenergie in der Gesellschaft und auf politischer Ebene zu thematisieren und Alternativen darzulegen (siehe Hintergrund).

Trassenbau fördert Braunkohlestromhandel, nicht die Energiewende

Im Zuge seines Vortrags stellte von Fabeck die Argumente der Befürworter der Trasse auf den Prüfstand und entlarvte die Planungen als nicht geeignet, eine Energiewende zu befördern. Er kam zum Schluss, dass der Bau der Ferntrassen lediglich dem europäischen Stromhandel (auch mit Braunkohlestrom) den Weg bereite und nur zu einer örtlichen Verschiebung des angeblich überschüssigen EE-Stroms aus dem Norden führe. Die Ferntrasse unterstütze weder den Zubau von EE-Anlagen noch leiste sie einen Beitrag zum zeitlichen Lastenausgleich und letztlich zur Abmilderung der Folgen des Klimawandels.

Referent Wolf von Fabeck vom Solarenergie-Förderverein Deutschland e. V. (SFV).  (Foto: BI Wolfhagerland)

Teil-Enteignung der Bürger - juristisch nicht haltbar

Die Planungen kämen einer Teil-Enteignung der von der Trassenführung betroffenen Mitbürger gleich, denn ihnen werden für ihre Grundstücke der Bau von Strommasten, das Verlegen von Erdkabeln und das Überspannen mit Stromleitungen per Grunddienstbarkeit aufgezwungen. Das Grundgesetz (GG) lautet in Artikel 14 Absatz 3 Satz 1: ?Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig.?

Es hapere an der juristischen Rechtfertigung dieses Großvorhabens, denn es fehle am Gemeinwohl. Von Fabeck erklärte: "Süddeutschland kann den durch das Abschalten der Atomkraftwerke entstehenden Strombedarf nicht durch regenerativ erzeugten Strom decken, sondern bleibt nach wie vor auf den Bezug von Braunkohlestrom angewiesen. Die Politik weiß das, denn die Genehmigungen zum Abbau der Braunkohle in den Kohlerevieren sind bereits verlängert worden. Die Versorgung mit Kohlestrom dient nicht dem Gemeinwohl, erhöht sogar noch den CO2-Ausstoß, beschleunigt den Klimawandel und verzögert und verteuert die Energiewende."

Fehlende Voraussetzungen für Versorgung Bayerns mit regenerativem Strom    

Fakt sei laut von Fabeck, dass die norddeutschen Stromüberschüsse, ob Off-shore oder On-shore erzeugt, nicht ausreichten, um Süddeutschland durchgängig mit regenerativem Strom zu versorgen. Schließlich sei zu berücksichtigen, dass auch in Norddeutschland  AKWs bis 2022 abgeschaltet werden. Das bedeute, dass der momentane Stromüberschuss ab dem Zeitpunkt der Abschaltung zur Versorgung Norddeutschlands benötigt werde.

Betrachte man die Kapazitäten der drei geplanten Trassen West-, Sued- und Ostlink mit zusammen 8 Gigawatt und sehe sich dann die Kapazität der Seekabel nach Skandinavien an, die mit gerade mal 2,8 Gigawatt bei Bedarf Wasserkraftstrom aus Pumpspeicherbecken zum Lückenschluss nach Bayern transportieren sollen, entbehre dies jeglicher Logik.

Sichere Alternativen zur Umsetzung der Energiewende

Statt einer reinen örtlichen Umleitung der EE-Stromüberschüsse über eine Ferntrasse, werde eine zeitliche Verschiebung von Stromerzeugung und Stromverbrauch durch Energiespeicher benötigt, so von Fabeck. Diese gelinge am besten in dezentralen regionalen Systemen, die zudem die Stromversorgung weniger störanfällig für Extremwetterereignisse und terroristischen Eingriffe machten. "Die technischen Voraussetzungen sind bereits vorhanden mit Langzeitspeichermethoden wie Power-to-Liquid oder Power-to-Gas (insbesondere für Windstromüberschüsse), mit Kurzzeit/-Pufferspeichern (insbesondere für Photovoltaikanlagen), nötigenfalls durch den Zubau von Höchstspannungstrassen in kleinen regionalen Bezügen sowie mit Gaskraftwerken zur Sicherung der Grundlast als Übergangstechnik", berichtete von Fabeck. Auf diese Art könne Süddeutschland sicher mit regenerativem Strom versorgt werden. "Am besten wird der Strom dort erzeugt, wo er gebraucht wird. Das spart den Stromtransport über Stromnetze. Auch Bayern besitzt das Potential zur Erzeugung von Windstrom und zur Speicherung".

Doppelbelastung der Stromverbraucher

Solange das herkömmliche zentrale System der Stromversorgung mit Kohlestrom durch den Bau einer kostenträchtigen Trasse neben dem dezentralen System der Versorgung mit EE-Strom bestehe, belasteten zweifache System-Kosten den Stromverbraucher. "Es gilt im Interesse der Stromverbraucher diesen Zeitraum zu verkürzen und die Umstellung auf die regenerative Stromversorgung zu beschleunigen", so von Fabeck.

Die Großverbraucher, die Interesse an billig erzeugtem Kohlestrom hätten, seien von Netzentgelten (Trassenkosten) und der EEG-Umlage befreit. Sie trügen diese Belastung nicht mit. In die wirtschaftliche Kostenbetrachtung von herkömmlicher fossiler und atomarer Stromerzeugung seien endlich die Kosten der Versäumnisse (Atommüllendlagerung, Extremwetterschäden infolge Klimaerwärmung, Aufnahme von Klimaflüchtlingen) einzubeziehen, um den Kostenvergleich ehrlich und realistisch zu machen.

Hintergrund: Solarenergie-Förderverein Deutschland e. V. (SFV)

Gegründet als Umweltschutzverein im Jahr des Reaktorunfalls in Tschernobyl 1986. Geschäftsführer im Vorstand ist Dipl.-Ing. Wolf von Fabeck.

Initiator der kostendeckenden Vergütung zur Markteinführung der Photovoltaik (Aachener Modell) im Jahr 2000, im Jahr 2004 im EEG erfolgreich umgesetzt. Der SFV betont, unabhängig vom Bundesverband Solarenergie zu sein.

Derzeitiger Vorschlag des SFV an die Politik zur Förderung der Energiespeicherung durch PV-Anlagenbetreiber: Einführung einer kostendeckenden Vergütung für die Schaffung von Pufferspeichern bei PV-Anlagen mit Batteriespeichern. Die PV-Anlagenbetreiber verpflichten sich, 70 % des erzeugbaren Stroms zu speichern und selbst zu verbrauchen und nur 30% ins öffentliche Stromnetz einzuspeisen. Damit wird das öffentliche Netz stabilisiert, die Spitzeneinspeisung reduziert sich.

Link zum Vortrag ?Fernübertragungstrassen oder Speicherausbau? zur Internetseite des SFV: www.sfv.de

Link zu Informationen der BI Wolfhagerland gegen SuedLink über die Internetseite des Ortsteils Naumburg-Altenstädt: www.altenstaedt.de - Stichwort ?SUEDLINK?

Nächstes Treffen der BI Wolfhagerland gegen Suedlink: Montag, 13. April 2015, 20.00 Uhr, Gaststätte ?Zum Schiffchen? in Wolfhagen; Interessierte sind willkommen.