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Samstag, 23. März 2019

Historischer Stadtrundgang

Das historische Naumburg

Wissen Sie wie alt Naumburg ist? Trösten Sie sich, niemand kann das mit Bestimmtheit sagen. So hat man sich auf das Jahr 1207 verständigt, das Jahr der frühesten Erwähnung als "villa nove ante castrum Nuwensburch".

Die seit 1170 bekannte Burg stand immer vor der Stadt. Das trapezartige ca. 8 ha große Stadtgebiet liegt auf einem nach Osten abfallenden Bergrücken. Das gesamte Stadtgebiet war von einer wehrhaften Mauer umgeben. In diese mittelalterliche Stadtanlage mit zwei Haupterschließungsstraßen in T-Form zogen die Bewohner der umliegenden Höfe und Dörfer. Von Naumburg aus bestellten sie ihre Felder, so entstand das Ackerbürgerstädtchen Naumburg.

Viele Generationen von Handwerkern und Ackerbürgern haben in den acht Jahrhunderten seit der Gründung in Naumburg gelebt. Widrigkeiten und Feuersbrünste überlebt, Häuser abgerissen und neue hinzugesetzt. In jüngster Zeit entwickelte sich aus der Ackerbürgerstadt eine Wohngemeinde mit anheimelnder Atmosphäre. In der nach wie vor mittelalterlichen Stadtanlage sind die alten Fachwerkhäuser gut gepflegt und restauriert und bunter als in all den Jahrhunderten zuvor.

Beginnt man den Rundgang am Bahnhof so dauert er je nach Intensität der Betrachtung ca. 1,5 Stunden.

Der Naumburger Bahnhof

1. Bahnhof

In den Jahren 1903/04 wurde die Kassel-Naumburger Eisenbahn erbaut. Gleichzeitig wurden entlang der Bahnstrecke verschiedene Zweckgebäude errichtet, wie Bahnhofsgebäude, Werkstatt, Schuppen, wovon die meisten Gebäude heute noch stehen. Seit der Einstellung des schienengebundenen Personenverkehrs in 1977 wird die Bahnstrecke in den Sommermonaten von dem Museumszug "Hessencourrier" befahren.


2. Evangelische Kirche

Nach dem Zuzug evangelischer Einwohner in das mehrheitlich katholische Naumburg in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde eine evangelische Vikariatsgemeinde gegründet. Im Jahr 1879 erfolgte der Bau eines neugotisch, einschiffigen Kirchengebäudes mit Unterstützung des Gustav-Adolf-Vereins. Auf dem Kirchhof befindet sich ein Kriegerehrenmal.

3. Poststation

Seit 1870 bestand eine regelmäßige Postverbindung zwischen Naumburg und den Nachbarstädten. Die Postexpedition wurde dann 1875 zu einem Postamt III. Klasse erhoben. 1903 bezog das "Kaiserliche Postamt" ein neues Verwaltungsgebäude, es wurde 1967 modernisiert. Die Postkutsche verkehrte 1904 zum letzten mal zwischen Fritzlar und Naumburg. Die Inbetriebnahme der Kleinbahn war das Aus für die Postkutsche.

Untere Straße Haus Nr. 5

Untere Straße Haus Nr. 5

Das zweigeschossige Gebäude 1904 wurde als Winkelbau mit Ober- und Dachgeschoß in Fachwerk errichtet. Straßenseitig hat es einen breiten Giebel, die Fensteröffnungen sind in Sandstein gefaßt. Seit dem 19. Jahrhundert befand sich dort eine Gaststätte. In 1826 wares das "Gasthaus zum Engel" danach der "Hessische Hof". Ladeneinbauten wie hier, veränderten auch an derer Stelle - oft nicht zum Vorteil - das historische Stadtbild.

5. Graf-Volkwin-Straße Haus Nr. 9

Das Haus ist historisch von besonderem Rang. 1793/95 wurde eine Synagoge mit 50 Männer- und 29 Frauenplätzen errichtet. Der Synagogengemeinde gehörten auch die Juden aus den damaligen Nachbargemeinden an. Neben der Synagoge errichtete man in 1845 einen Anbau mit Schulsaal und Wohnungen für den jüdischen Lehrer. Die jüdische Elementarschule bestand bis 1891. Sie wurde wegen geringer Schülerzahlen aufgegeben. Während des Judenprogroms - in Naumburg am 11. 11. 1938 - wurde der Betraum verwüstet und abgebrochen. 2004 wurde hier eine Gedenktafel angebracht

Untere Straße Haus Nr. 9

6. Untere Straße Haus Nr. 9

Der zweistöckige Fachwerkbau mit vorspringenden Quergebälk wurde nach dem Stadtbrand von 1684 errichtet. Quergebälk und Eckpfosten sind mit Fachwerkschnitzereien versehen. Die Zufahrt zur Mitteltenne, die an den beiden Torpfosten mit gedrehten Kantensäulen und Blattwerkkapitell erkennbar ist, wurde im 19. Jahrhundert zugesetzt.

Untere Straße Haus Nr. 29 - 35

7. Untere Straße Haus Nr. 29 - 35

- D38as Esemble gehört mit zu den schönsten Exemplaren des Naumburger Fachwerkbaus. Die geschlossene Front der wohlerhaltenen Fachwerkgiebelhäuser zeigt uns heute an, dass es auch in früheren Jahrhunderten restriktive Bauvorschriften gab - erkennbar unter anderem daran, dass fast alle Hausgiebel zur Straße zeigen. Bechtenswert das Zwerchhaus in der Fassadenmitte von der "Stadtschänke".

8. Häuser am "Roten Rain"

Eine der schönsten, weil malerischen, Gassen und mehreren schlichten Kleinbürgerhäusern ist der "Rote Rain", ein Viertel in dem Ziegenbauern und "kleine Leute" zu Hause waren. Der nackte Felsen beantwortet die Frage, warum die Gäretn vor der Stadtmauer liegen. Nicht die Enge der Bebauung, sondern der felsige Boden war hierfür Anlass. Suchen Sie das Haus Nr. 31 es hat die im gesamten Wolfhager Land nur noch sehr wenig anzutreffenden Teufelsfratzen an den Eckständen.

9. Das älteste Haus in Naumburg

Das einzige Haus, das den Stadtbrand von 1684 überlebt haben soll, steht an der Stadtmauer.

10. Stadtmauer

Die Verleihung der Stadtrechte, und die Errichtung der Stadtbefestigung fallen im 13. Jahrhundert zeitlich zusammen. Die Stadtmauer hatte drei befestigte Tore sowie fünf Verteidigungstürme. Zur mittelalterlichen Befestigungsanlage gehörten auch mehrere Warttürme innerhalb der Feldgemarkung, von denen die Altenstädter Warte noch vorhanden ist. Die Tore und Tortürme sowie Teile des Mauerrings wurden vor 1825 abgebrochen. Der südliche Teil der Stadtmauer ist in stattlicher Höhe erhalten; Mauerreste sowie Reste mehrerer Türme sind entlang der Straße "Im Hain" zu sehen.

11. Burgstraße Haus Nr. 20

In 1835 errichtete der kurhessische Staat das dreigeschossige Fachwerkgebäude als Amtsgefängnis. Ein seitlicher Anbau kam 1843 hinzu. In der Grundstücksmauer befindet sich straßenseitig ein Stein mit tartschenförmigem Naumburger Stadtwappen, der ursprünglich in der Stadtmauer am Burgtor angebracht war.

12. Burgstraße Haus Nr. 18

Der Fachwerkbau überzeugt durch seine symmetrische Anlage mit eindeutiger Gewichtung der Balkengefüge und Fenstergruppierungen. Es handelt sich hier um eines der sehr wenigen Beispiele klassizistischer Fachwerkbauten des 19. Jahrhunderts im Wolfhager Land. Das Haus wurde vorübergehend als Rathaus genutzt.

Die Kurfürstliche Rentei

13. Burgstraße Haus Nr. 16

Das in Sachzusammenhang mit dem Renteigebäude Burggstraße 14) stehende Haus, beherbergte früher die evangelische Schule.

14. Die Kurfürstliche Rentei

Zwischen Kirche und Burgtor ist ab 1386 eine "freie Hofstätte" nachweisbar. In 1517 erwarb Friedrich von Hertingshausen vom Konvent der Beginen diesen "freien Burgsitz". Später stand hier das herrschaftliche Vorwerk. 1563 - im Besitz der Waldecker Grafen - wurde es ein Raub der Flammen. In 1682 begann man mit dem Neubau eines zweigeschossigen Verwaltungsgebäudes für die Kurfürstliche Rentei. Dieser wurde beim großen Stadtbrand zwei Jahre später wiederum ein Raub der Flammen, worauf man ihn nun dreigeschossig in der heutigen Form errichtete. Der Torbogen zur Burgstraße hin wurde in 1773 errichtet. Bis zur Säkularisierung des Erzbistums Mainz 1802/03 war hier die Kurfürstliche Rentei untergebracht, später das Amtsgericht.

Katholische Stadtpfarrkirche

15. Katholische Stadtpfarrkirche

Die ältesten Bauteile der katholischen Kirche sind vom Anfang des 14. Jahrhunderts erhalten. Im Außenmauerwerk des Turmuntergeschosses befindet sich eine Bauinschrift mit mainzischen Wappen und der Jahreszahl 1512. In ihrer heutigen barocken Form ist die dem hl. Creszens geweihte Stadtpfarrkirche nach dem Stadtbrand von 1684 errichtet worden. Die Einweihung der dreischiffigen Stadtpfarrkirche erfolgte im Jahr 1692. Der Kircheninnenraum erfuhr in 1896/97 eine neugotische Umgestaltung, die letzte Innenrenovierung erfolgte 1992.

Sehenswert sind ein barocker Beichtstuhl und Sandsteinplastiken, von dene die "Naumburger Madonna" aus der Zeit um 1340 besonders hervorzuheben ist. Auf dem Kirchhof, der bis 1577 als Begräbnisstätte diente, sind Grabsteine aus dem 16. und 17. Jahrhundert aufgestellt worden.

Marktplatz

16. Marktplatz

Herzstück einer mittelalterlichen Stadt ist sicherlich der Marktplatz. Seine Fläche stellt sich als platzförmige Erweiterung der Burgstraße dar. In seiner Nähe befanden sich alle wichtigen Gebäude des öffentlichen Lebens: Kirche, Rathaus, Schule und Kurfürstliche Rentei. Ein kaiserliches Privileg gestattete in 1630 der Stadt Naumburg, drei Jahrmärkte abzuhalten. Mitte des 18. Jahrhunderts waren es sechs Märkte. Die Neugestaltung des Platzes mit Verkehrsberuhigung und neuem Wasserbrunnen - nachempfunden dem zu Beginn des Jahrhunderts vorhandene Wasserkump - wurde in 1991 abgeschlossen.

17. Am Markt Haus Nr. 5

Der dreistöckige Fachwerkbau aus 1687 prägt den Marktplatz. In die Eckständer sind barocke Viertelsäulen mit Fratzendarstellungen geschnitzt. Der rückwärtige Teil des Hauses - ein Speicherbau - sowie der Zwerchgiebel sind im 19. Jahrhundert nachträglich angebaut worden.

Rathaus

18. Rathaus

Den Mittelpunkt der städtischen Selbstverwaltung verkörpernd lag das historische Rathaus direkt am Marktplatz, in unmittelbarer Nähe von Kirche, Schule und Kurfürstlischer Rentei, sowie an der zur Burg hinaufführende Straße. Das alte Fachwerkhaus wurde in 1883 auf Abbruch verkauft und in 1884 ein Spritzenhaus mit Wachlokal auf dem Bauplatz errichtet. Das mußte in 1911 dem Neubau der katholischen Volksschule weichen. Nach der Neuordnung des Schulwesens zog die Rathausverwaltung in 1968 wieder an die historische Stätte um.

Im Kloster Haus Nr. 1

19. Im Kloster Haus Nr. 1

Das zweigeschossige Fachwerkhaus wurde unmittelbar nach dem Stadtbrand in 1685 errichtet. Ein ebenerdiger ehemaliger Stall befindet sich im Untergeschoß. Die Fachwerkschnitzerei an der zweiflügigen Haustür ist ein Beispiel ausdrucksvoller Volkskunst, mit Rankenmotiven, Fruchtbarkeitssymbol und Sonnenrad. Im 19. Jahrhundert ist die Tür verkürzt worden, um ein Oberlicht einzusetzen. Oberlicht und Fenster im Erdgeschoß sind umgegliedert; das Fachwerkgefüge ist durch den nachträglichen Einbau von Fenstern (direkt neben der Tür) beeinträchtigt.

Kirchstraße Haus Nr. 11

20. Kirchstraße Haus Nr. 11

In dem zweistöckigen Fachwerkbau befand sich ab dem 16. Jahrhundert das städtische "Brauhaus am Steinweg". In 1564 wurde es erstmals erwähnt. Nach dem Verkauf des Gebäudes vor 1819 diente es als Wohnhaus. Im Rahmen der Stadtsanierung wurde ein zweistöckiger, seitlicher Anbau abgebrochen und das Haupthaus saniert. Der mittelalterliche Keller ist über einen seitlichen Zugang zu erreichen.

21. Fachwerkensemble Kirchstraße/Altenhagen

In diesem Viertel befinden sich sehr schöne Fachwerkhäuser; je nach Wohlstand mit mehr oder weniger reicher ornamentaler, farblicher Balkenschnitzerei an Ständern, Balkenköpfen oder Schwellbalken.

21. Haus des Gastes

Auf dem Gelände der ehemaligen Hoffmannschen Ziegelei wurde das Haus des Gastes in 1989 als Veranstaltungszentrum errichtet. Die Ansiedlung des Ziegeleibetriebes erfolgte in 1906 wegen der günstigen Verkehrsanbindung an die neue Eisenbahnstrecke.Das Brennmaterial für die Ziegelerstellung wurde in unmittelbarer Nähe gewonnen.Die Plastiken im Skulpturengarten des Kurparks hat Professor Burghardt/Berlin geschaffen.

Die Naumburger Altstadt ist in ihrem Erscheinungsbild geprägt durch

  • den nach 1684 (Stadtbrand) lebhaft einsetzenden ackerbürgerlichen Fachwerkbau, der sich in seinen Ausläufern bis in das 19. Jahrhundert fortsetzte
  • und den historischen Wohn- und Geschäftshausbau der sogenannten Gründerzeit ab 1875 weit über die Jahrhundertwende hinaus.

Diese verschiedenen Baustile werden Sie bei einem Streifzug durch Naumburg entdecken.