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Montag, 14. Oktober 2019

Die Weidelsburg Nordhessens größte Burgruine

Die Weidelsburg Nordhessens größte Burgruine

Zwischen Ippinghausen und Naumburg erhebt sich der Weidelsberg mit den Resten der gleichnamigen Burg. Der weit nach Westen abgesetzte Basaltkegel ragt einsam aus der Ebene empor und ist eine Landmarke im Wolfhager Land. Das gewaltige Bauwerk wurde nach verschiedenen Anbauten zur größten Burg im nördlichen Hessen.

Zur Geschichte der Weidelsburg

von Dr. Volker Knöppel, Hugo-Preuß-Straße 10, 34131 Kassel
Vortrag am 10.4.2008 anlässlich einer Informationsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft zur Erhaltung der Weidelsburg in Ippinghausen.

Die Weidelsburg mit der mittelalterlichen Burgruine und der Basaltkegel des Weidelsberges als weithin sichtbare Landmarke gehören zu den Wahrzeichen des Wolfhager Landes. Der Weidelsberg ist dermaßen exponiert in der Landschaft, dass er sich geradezu für militärische Anlagen, Befestigungslager den Menschen angeboten hat, auch wenn ein Zugang zu Quellwasser nicht auf der Bergkuppe, sondern am heutigen Waldrand gegeben war. Bisher gefunden wurden:

  • Steinwälle auf der Bergkuppe, die eisenzeitlich sein dürften (1200 – 1. Jh. vor Christus)
  • eine frühmittelalterliche fränkische Befestigung des ausgehenden 7. bzw. 8. Jh.
  • die mittelalterliche Burg ab dem 12. Jh., die zunächst „castrum alstat“ hieß


Die Weidelsburg wird als die größte Burgruine Nordhessens bezeichnet. Bemerkenswert ist ihr umfangreicher hochbaulicher Baubestand, der sich deutlich von anderen Burgruinen in der Region unterscheidet. Einer der Gründe für diesen Befund könnte darin liegen, dass ihr Ausbau, so wie er sich heute darstellt, erst in der 1. Hälfte des 15. Jh. und damit relativ spät erfolgt zu einer Zeit, als viele andere Burgenstandorte ringsum längst verlassen und im Verfall begriffen waren.

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

Die Weidelsburg

1. Die Naumburger Grafen

Die Naumburger Grafen gründen um 1170 die Stadt Naumburg am Fuße einer gleichnamigen Burg. Naumburg bedeutet neue Burg, woraus sich zwangsläufig die Frage nach der alten Burg ergibt. Die alte Burg wird von Historikern in der Weidelsburg gesehen. Über welche familiären Beziehungen von der Wernerschen Grafenfamilie über die Familie von Wedelburg zu den Naumburger Grafen der Besitz der Weidelsburg wechselt, ist auch heute noch nicht abschließend erforscht. Hundert Jahre später verkaufen die Naumburger Grafen Stadt und Amt Naumburg und ihre beiden Burgen und verabschieden sich aus unserer Region.


2. Die Rivalität zwischen Mainz und Hessen

Die Naumburger Grafen verkaufen die Weidelsburg und ihren sonstigen Besitz zweimal: 1265 an den hessischen Landgrafen und 1266 an den Erzbischof von Mainz. Damit ist die Grundlage des mainzschen Amtes Naumburg gelegt, aber die hessischen Bemühungen um diesen strategischen Ort bestimmen die nächsten 200 Jahre der Weidelsburg mit. Sie führen auch zur ersten Zerstörung der mittelalterlichen Burg durch den Landgrafen von Hessen im Jahre 1273. Die Weidelsburg bleibt 100 Jahre Ruine, kommt dann in hessischen Besitz und 1380 verständigen sich Hessen und Waldeck über den Wiederaufbau der Burg, ohne die mainzschen Rechte daran zu achten.

Zu dieser Zeit erhält die Weidelsburg ihr Alleinstellungsmerkmal, die beiden Palasbauten (1 für Hessen und 1 für Waldeck). Mainz lässt sich das aber nicht gefallen. Es verhindert den Wiederaufbau, um ihn 1400 selbst vorzunehmen.


3. Die Familien von Hertinghausen und von Dalwigk

Im Jahr 1400 vereinbaren der Mainzer Erzbischof und die Familie von Hertinghausen den gemeinsamen Wiederaufbau der Weidelsburg und die Teilung der Baukosten. In diese Familie heiratet Reinhard von Dalwigk ein, der aus der Sage der Weibertreue bekannte Raubritter.

Er ist vermögend und selbstbewusst. Er nutzt ein Machtvakuum zwischen Hessen, Mainz und Waldeck aus, um sich als kleiner Landadeliger auf dem Weidelsberg eine Burg zu bauen, die den damals modernsten militärischen Anforderungen genügte. Das ist noch heute am äußeren Mauerring mit den halbrunden Schalentürmen erkennbar. Zeitgenössische Quellen überliefern, er habe auf der Burg wie ein Fürst Hof gehalten, was den Neid und den Argwohn der Grenznachbarn hervorrief. Er gerät in Streit mit den Adeligen der Umgebung, überzieht sie mit Fehden und wird damit zum Störer des Landfriedens. Das fordert die Territorialmächte herauf und sie belagern die Burg zweimal, 1443 und 1448. Beim zweiten Mal verliert Reinhard von Dalwigk endgültig die Weidelsburg und muss er sich auf die Naumburger Burg zurückziehen, um sich diese mit seinem Schwager zu teilen. Die Weidelsburg und ihre Umgebung fallen an Hessen, das sich in diesem Konflikt durchgesetzt hat.

Schnell verliert die Burg infolge der Landfriedenspolitik des hessischen Landgrafen ihre strategische Bedeutung. Sie wird spätesten gegen Ende des 16. Jh. verlassen und ist seitdem Ruine.
Die komplexe Ruine fordert geradezu heraus, sich mit der Baugeschichte der Weidelsburg zu beschäftigen.

  • Wo sind die ältesten Mauerteile, was ist von der 1273 zerstörten Kernburg noch erhalten?
  • Wo waren die Burgbrunnen und Zisternen?
  • Wo war der Hausalter?
  • Wie war der Verlauf des Zufahrtsweges durch das zweite Tor?

Die Weidelsburg birgt in ihrer Geschichte und in ihrem Ruinenbestand nach wie vor Rätsel, die es zu lösen gilt.

mehr Informationen siehe auch www.weidelsburg.de