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Mittwoch, 12. Dezember 2018

Die Weingartenkapelle

Die Weingartenkapelle

Der Weingartenhügel wird mit dem Großen Stadtbrand Naumburgs im Jahr 1684 in Zusammenhang gebracht. Dies hat seinen Niederschlag in der sog. Weingartenlegende gefunden, deren wesentlicher Inhalt etwa wie folgt ist, dass die Einwohner noch während des Brandes in Menge sich an die Stätte der jetzigen Weingartenkapelle begeben hätten, um Trost im Gebete zu suchen, und von ihrem lauten Weinen über die vor ihren Augen lichterloh brennenden Häuser und Trümmer der Stadt hätte dann der Ort den Namen "Weingarten" erhalten. Diese Namensdeutung gehört jedoch in das Reich der Legende, denn mit Sicherheit rührt der Name vom frühen Weinbau in Deutschland her, der zur Zeit des Hl. Wigbert (+747) in Fritzlar bereits bezeugt ist und der bis zum 15./16. Jh. in unseren Breiten noch geläufig gewesen ist. Im Jahr des Großen Stadtbrandes war der Naumburger Weinbau an dieser Stelle schon Geschichte.

Früheres Kapellengebäude

Die heute auf dem Weingartenhügel stehende Kapelle hatte zwei Vorgängerbauten. Die zuverlässigsten Nachrichten deuten darauf hin, dass die älteste Kapelle ein schlichter Holzbau war, mit einem kleinen, bescheidenen Andachtsraum mit Altar, der auf Anregung des aus Naumburg gebürtigen Geistlichen Frantz Asselen während seiner Kaplanszeit in Naumburg vor 1739 errichtet worden ist.

Die heutige Weingartenkapelle

Im Jahr 1911 fassten Naumburger Einwohner den Entschluss, die schon etwas baufällige Fachwerkkapelle durch eine neue prächtige Kapelle als massives Steingebäude zu ersetzen. 1921 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, wozu zahlreiche nach Amerika ausgewanderte Naumburger Geldspenden gaben. Es war beabsichtigt, dass die neue Kapelle wie ihre Vorgängerin eine Wallfahrtskapelle zu Ehren der lieben Gottesmutter und außerdem ein Denkmal zur bleibenden Erinnerung an den großen Weltkrieg, an die Gefallenen, sowie an die glücklich heimgekehrten Krieger unserer Gemeinde sein soll. Auf einer Gedenktafel in der Kapelle wollte man die Namen der gefallenen Helden den Lebenden und noch der späteren Nachwelt mitteilen.

Der Grundstein wurde am 24.7.1921 gelegt. Am 29.7.1923 konnte die dritte Weingartenkapelle mit Zustimmung des Bischofs der Sancta Maria, mater boni consilii geweiht werden. Das Kapellengebäude wurde im Baustil des Neo-Barock errichtet, womit man - vielleicht unbeabsichtigt - eine Parallele zum Stadtbrand gezogen hatte, in dessen Zuge die Stadt ganz überwiegend im Stil des Barock wiederaufgebaut worden ist.