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Sonntag, 19. November 2017

Hessische Pomologentage

Rückblick auf die Pomologentage 2017

Die 20. Hessischen Pomologentage hatten es in sich. Es zog ein Orkan auf, der nicht nur ein Veranstaltungszelt abhob, sondern auch die Zuwege zum Naumburger Apfelmarkt so versperrte, dass große Sorge bestand, die Gäste könnten nach mehrmaliger Umleitung die Geduld verlieren und Naumburg ade sagen. Aber weit gefehlt: Über 2000 Besucher strömten ins Haus des Gastes und ließen sich einfangen von Düften, Präsentationen und reichlichen Informationen zu historischen Apfelsorten, auch über diejenigen, die von Allergikern häufig gut vertragen werden.

Wabe mit Informationen zur Apfelallergie. (Foto: Stadt Naumburg)

Dr. Susanne Becker hielt hierzu am Sonntag einen spannenden Vortrag. Die Apfelallergie ist oft eine Folge der Allergie auf Birkenpollen. Auslöser sind neben genetischen Ursachen die veränderten Klimabedingungen, Spritzungen, Lagerbedingungen und der damit zunehmende Stress für Mensch und Pflanze. So wird ein Apfel, der einfach nur im Garten wächst, häufig besser vertragen, als einer aus dem Supermarkt. Der BUND Lemgo ist hier Vorreiter und hat auf seiner Internetseite http://www.bund-lemgo.de/apfelallergie.html umfangreiche Studien und Hinweise gesammelt. Auch sucht er Allergiker, die ihre Erfahrungen weitergeben können. Mit der Charité Berlin arbeitet Willi Hennebrüder eng zusammen und testet eine Desensibilisierung durch langsame Steigerung des Genusses, der als verträglich eingestuften Apfelsorten. Unterlagen hierzu sind in der Tourist-Info erhältlich.

Die Elbetalschule Naumburg hat das Jubiläumsjahr der Pomologentage zum Anlass genommen und ihre Projektwoche ganz unter das Thema Himmel und Erde gestellt.

Apfelbilder der Klasse 4b, Elbetalschule Naumburg. (Foto: Stadt Naumburg)

Am Sonntag präsentierten die Schülerinnen und Schüler Lieder und eigene Geschichten im Märchenpavillon, der von Tanja Dobrick, Brigitte Gehrmann und Kerstin Dietrich gestaltet und als Märchenprinzessinnen belebt wurde.

Kerstin Dietrich, Brigitte Gehrmann und Tanja Dobrick (v. l. n. r.). (Foto: Stadt Naumburg)

Rektorin Ute Waldow betreute das Rollenkino.(Foto: Stadt Naumburg)

Das Märchen von einem Riesenwettbewerb, den der kleinste Riese gewann, da er einen Apfel mit Samen verschluckte und durch einen Vergleichssamen, der zu einem Apfelbaum heranwuchs, zeigte, dass er einen solchen großen Baum ja verschluckt hatte. Eigene Bilder als Rollenkino ergänzten die spannende Geschichte.

Las neben drei Schülerinnen seine eigenen Geschichten vor, Phillipp Grunewald aus der 3. Klasse.(Foto: Stadt Naumburg)

 

 

 

Das Märchen „Der Froschkönig“ aus dem Bauchladen mit Jörg Dreismann. (Foto: Stadt Naumburg)

Jörg Dreismann mit Frosch als Erzähler einer märchenhaften Geschichte (www.theaterscheune.de)(Foto: Stadt Naumburg)

Wer die Grimmschen Märchen, von Jörg Dreismann und Wilburg Kleff vorgetragen, genossen hatte, konnte sich in Grimms Naschwerkstatt den Nachmittag mit historischen Märchenbonbons weiter versüßen.

Grimms Naschwerkstatt, Herstellung von Süßwaren mit einer historischen Bonbonmaschine.  (Foto: Stadt Naumburg)

Zum Jubiläum konnte eine alte Tradition in neuem Gewand wiederbelebt werden. Ein 5-Gänge-Apfelbuffet wurde mit der Metzgerei Rennert und den jungen Akteuren Vito Heiden und Viola Everding mit ihrem Team umgesetzt. Im gemütlichen modernen Ambiente des „Tschillich“, Veranstaltungsraum im Hattenhäuser Weg 8, genossen über 60 Gäste einen informativen und humorvollen Abend. 5 Apfelsorten, ihre Inhaltsstoffe und ihre Verarbeitung, konnten intensiv kennengelernt werden. In einer kleinen Kochshow wurden Kniffe aus der Küche weitergegeben. Das Format ist sehr gut angekommen und weitere Kocherlebnisse können für 2018 erwartet werden.

Viola Everding (links im Bild) und Vito Heiden (zweiter von links) mit Team. (Foto: Stadt Naumburg)

Das Apfelbuffet bot den idealen Rahmen für eine offizielle Begrüßung durch Bürgermeister Stefan Hable und die Vergabe des diesjährigen Oberdieck-Preises.

Begrüßung durch Bürgermeister Stefan Hable.  (Foto: Stadt Naumburg)

Bürgermeister Stefan Hable bedankte sich bei den beiden Vätern der Pomologentage, Herrn Bürgermeister a. D. Jürgen Matzath und Herrn Dr. Wolfgang Klement. „Sie haben mit Ihrer Idee die Veranstaltung vor 20 Jahren aus der Taufe gehoben“, so der Rathauschef. Ferner dankte Bürgermeister Stefan Hable den Sponsoren und Unterstützern – wie z. B. der Kasseler Sparkasse, der Raiffeisenbank sowie dem Landkreis Kassel. Dank gebührt auch den vielen aktiven Pomologen, allen voran Jan Bade, der nun schon über lange Jahre die Verantwortung für die besonders aufwendige Obstschau hat und auch dieses Jahr trotz mangels an Äpfeln wieder um die 200 Sorten zusammentrug.

Mit einer Urkunde und einer wunderschönen Steinskulptur des Steinmetzes Uwe Bächt, wurde in diesem Jahr Hans-Thomas Bosch geehrt.

Hans-Thomas Bosch ist einer der versiertesten Sortenkenner aus dem südlichen Raum Deutschlands. Sichtlich gerührt nahm er die diesjährige Ehrung an. Er lebt bei Überlingen am Bodensee und ist ehrenamtlich wie auch beruflich eng mit der Pomologie verbunden. So ist er an einer Datenbank für das Erhalternetzwerk des Pomologen-Vereins beteiligt und hier für die Beschreibung der Erkennungsmerkmale verantwortlich. Diese sind die Grundlage einer fehlerfreien Bestimmung und helfen auch verschollen geglaubte Sorten wiederzufinden. 28 Apfel- und Birnensorten, wie Tiroler Glanzrenette, konnten so von ihm wiedergefunden werden. Er arbeitet intensiv in verschiedenen Projekten, die sich der Bestimmung und dem Erhalt der Obstsortenvielfalt widmen, besonders der Apfel- und Birnensorten. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Schneiden von Obstbäumen als landschaftsprägender Baum. Er verfasste über mehrere Jahre ein umfassendes Arbeitsbuch mit begleitenden Fotos und gut verständlichen Texten, das über den Raum für Natur e. V., Claudia Thöne, ausgeliehen werden kann. Oder man erwirbt es über den Online-Shop des Pomologen-Vereins e. V. (www.pomologen-verein.de).

Laudator Dr. Norbert Clement (Pomologen-Verein e. V.), Oberdieck-Preis-Träger Hans-Thomas Bosch und Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable. (Foto: Stadt Naumburg).

Das Saftmobil nutzte das Jubiläum, um seine rollende Saftproduktion vorzustellen und presste in Naumburg einen Jubiläumssaft, der nun im EDEKA Schmandt und Kröninger als 5-Liter-Bag in Box-Karton zu erwerben ist. Der Saft ist bis April 2019 haltbar und kann nach Anbruch über 3 Monate getrunken werden, da kein Sauerstoff in den Beutel eintreten kann. Durch das Pressen der spät reifenden Äpfel ist er besonders mild. Das Veranstalterteam aus Stadt und Pomologen-Verein e. V. sowie Raum für Natur e. V. bedankt sich ganz herzlich für seine Treue seit 15 Jahren.

Peter Lubberich vom Saftmobil beim Abfüllen des pasteurisierten Saftes in spezielle Beutel, die dann im Pappkarton Halt finden und als Bag in Box verkauft werden. (Foto: Stadt Naumburg).

Das Saftmobil und die Jubiläumskartonagen. (Foto: Stadt Naumburg)

Besonderer Dank gilt Corina Dux aus Naumburg mit ihren wunderschönen Papierarbeiten, Joachim Döhne von der Sektkellerei Döhne aus Schauenburg sowie Manfred Seydel und der Streuobstinitiative SILKA, die uns in den 20 Jahren treu begleitet und unterstützt haben. Ebenso Heinrich Niggemeyer von Pflanzlust, Obsthof Bausch und Lothar Herrmann von Sonbosa Kassel die seit 18 Jahren dabei sind.

Dank gilt aber auch allen Helfern und Unterstützern, ohne die eine solche Veranstaltung nicht durchgeführt werden könnte. Gerne blicken wir auf die Tage zurück und sind schon fast wieder in den Vorbereitungen für 2018.

Eindrücke vom Markt:

Bernhard Dux am Stand mit Obst-Papierarbeiten von Corina Dux. Im Hintergrund auf der Bühne Teile einer Ausstellung von besonderen Steinmetzarbeiten und Schmiedearbeiten.  (Foto: Stadt Naumburg)

Andrang am Stand der Sektkellerei Döhne. (Foto: Stadt Naumburg)

Renate Kremin (Foto-Mitte an der Waage) vom Kirchhof Oberellenenbach ist schon zum 15. Mal dabei. (Foto: Stadt Naumburg)

Besondere Produkte: hier CraftBeer, eine Bierkreation mit Honig der Stadtimkerei Heppner. (Foto: Stadt Naumburg)

Schokoladenschiffchen der Hessenpraline mit Christoph Bayer. (Foto: Stadt Naumburg)

Hessische Pomologentage


In Hessens grüner Spitze und im Märchenland der Brüder Grimm initiierte die Stadt Naumburg die "Hessischen Pomologentage" erstmalig in 1998. Diese Tage sind dem Apfel in all seinen Facetten gewidmet.

Ziel der "Hessischen Pomologentage" ist es, das Thema Apfel in seiner Vielfältigkeit und Bedeutung für Mensch und Natur sowohl für Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft als auch für Praktiker und Liebhaber lebendig darzustellen. Die Facetten des Apfel sind: die Sortenvielfalt Hessens präsentiert in einer Ausstellung, Geschmack und Nutzen in der Küche, Apfelgetränke vom Saft über Wein zum Schaumwein und Brand, der Apfel als Baustein anderer Produkte, der Apfel in Märchen und Mythen, Gesundheitsaspekte, Streuobst als Lebensraum, Apfel & Umwelt, Fachliteratur und Poesie.

Pomologen sind Wissenschaftler und Laien im Bereich Garten- und Obstbau, die sich bevorzugt mit Obstsorten und ihren Beschreibungen, Anbaubedingungen, Qualitäten und Nutzungsmöglichkeiten beschäftigen.

"Pomona", die römische Göttin der Baumfrüchte, steht als Patin für den Pomologen Verein e.V. Deutschland, der Mitg. Die Pomologie des 19. Jahrhunderts stand im Zeichen der Sammlung, Prüfung und Einteilung sowie Bestimmung der Obstsorten. Die Gegenwart dagegen stellt die freie Marktwirtschaft und die steigenden Ansprüche der Verbraucher in den Vordergrund, so dass die Sortenvielfalt für den Verbraucher stark zurückgegangen ist.

 

Veranstaltungsteam und Ansprechpartner bei der Stadt Naumburg

Das Veranstaltungsteam

Pomologen-Verein e.V.

Andrea und Ralf Kämmerer (Obstsortenaussteller)
Jan Bade (Obstsortenaussteller)
Werner Nussbaum (Obstsortenaussteller)
Robert Jäger (Obstsortenaussteller)

Amt für den ländlichen Raum

Dierk Schwedes

Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen Kassel

W. Peter Sörries
Dieter Levin-Schröder
Hans-Jürgen Borneis

Raum für Natur e.V.

Manfred Seydel
Klaus-Berndt Nickel
Peter Soltau
Jürgen Günst
Udo Umbach
Claudia Thöne

SILKA

Helmut Sauerland

Stadt Naumburg

Natur-Informationszentrum

Claudia Thöne
Mitarbeiter/-innen aus Rathaus, Kindertagesstätten und Bauhof

Obstsortenbestimmer des Pomologen-Verein e.V.:

Jan Bade, Kaufungen
Sabine Fortak, Königslutter
Carina Pfeffer, Rösrath
Hans-Joachim Bannier, Bielefeld / NRW
Dr. Werner Schuricht (1998 – 2008)

Info: Natur-Informationszentrum der Stadt Naumburg Hattenhäuser Weg 10-12 34311 Naumburg Tel. 05625-7909-73 Fax 05625-7909-74