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Mittwoch, 12. Dezember 2018

Hessische Pomologentage

Rückblick 21. Hessische Pomologentage in Naumburg

Marktgeschehen während der Pomologentage. (Foto: Stadt Naumburg)

Marktgeschehen während der Pomologentage. (Foto: Stadt Naumburg)

Wieder liegen überwältigende Apfeltage hinter den Organisatoren. Ca. 3.000 Besucher kamen ins Haus des Gastes in Naumburg, um die besondere Atmosphäre und die gelungene Dekoration zu genießen. Bei den rd. 25 Marktteilnehmern stand im Jahr 2018 die Handarbeit hoch im Kurs. Ob aus Stoff, Wolle, Holz oder eben dem Apfel – das Angebot war üppig und die Besucher dankten dies besonders am Samstag. Zielstrebig wurden Lieblingsstücke erworben und zur Belohnung durfte es ein Apfelsekt sein. 

Der Marktstand der Sektkellerei Döhne. (Foto: Stadt Naumburg)

Der Sonntag war geprägt durch das Eintreffen der Gäste der Museumsbahn  Hessencourrier. Gewappnet waren die Gastronomen Schäfer aus Naumburg, Rennert aus Freienhagen, Nieszerie aus Wega und Hauptfleisch aus Vöhl. Ihnen danken die Veranstalter für die gelungene Bewirtung aller Gäste.

Das Waldecker Apfelhüttchen. (Foto: Stadt Naumburg)

In der Vorbereitung hat sich die Zusammenarbeit der Stadt Naumburg mit dem Pomologen-Verein e. V. und dem Raum für Natur e. V. bewährt.

Ausschnitt der Schau, hier Eifeler Rambur, Ernst Bosch, Früher Viktoria, Französische Goldrenette, Filippa, Fießers Erstling. (Foto: Stadt Naumburg)

Jan Bade als Hauptorganisator der großen Obstschau erhielt auch in diesem Jahr wieder Unterstützung durch die Pomologen Andrea und Ralph Kämmerer aus Bad Arolsen und Robert Jäger aus Twistetal. Ihre langjährige Zusammenarbeit ermöglicht eine aufwendige und umfassende Obstschau, die innerhalb kurzer Zeit aufgebaut ist. Die auf Holzständer praktisch präsentierte Obstschau gewährt sicher bestimmte und zugeordnete Früchte. In 2018 konnten zusätzlich zu den 209 Apfel- auch 52 Birnensorten vorgestellt werden.

Samstag und Sonntag  konnte Jan Bade bei der Sortenbestimmung mitgebrachter Früchte von Gästen an die 200 Zertifikate ausstellen, die jeweils mindestens eine bestimmte Obstsorte enthielten.

Obstsortenbestimmung mitgebrachter Früchte. (Foto: Stadt Naumburg)

Als langjähriger Partner der Pomologentage präsentierte der Sektkellerer Joachim Döhne sortenreinen Apfelsekt von Boskoop, Goldparmäne und Ananasrenette, einen frischen Rauscher und diverse Edelbrände. Letztere sind auch Bestandteil der Trüffel, hergestellt in der Manufaktur der Hessenpraline - Schokolade vom Feinsten und produziert  in der Region.

Marktstand der „Hessenpraline“. (Foto: Stadt Naumburg)

Dass das Sammeln von Obst und die Herstellung von Saft und anderen Produkten Spaß machen kann, zeigten gleich 2 Mitstreiter aus Naumburg. Die Elbetalschule setzt sich jedes Jahr mit der vierten Klasse mit dem Thema Streuobstwiese auseinander, kreiert Apfelgeschichten, sammelt Informationen zum Lebensraum Obstbaum und presst mit Dierck Schwedes von SILKA Apfelsaft, der direkt getrunken oder zu Apfelgelee verarbeitet wird.

Dokumentation der Schülerinnen und Schüler der Elbetalschule Naumburg zum Thema Apfelsaftpressen. (Foto: Stadt Naumburg)

Der Angelsportverein Naumburg e. V. gewann gleich über 20 Mitglieder aus den eigenen Reihen, um Naumburger Äpfel zu ernten und den Reingewinn des Saftverkaufs  für Naturschutzmaßnahmen zu nutzen. Die Stadt Naumburg freut sich, dass die Ernte der wegbegleitenden Obstbäume so einem besonderen Nutzen zugeführt werden kann.

Ergebnis des Projekts „Naumburger Apfelsaft“, initiiert vom Angelsportverein Naumburg e. V.. (Foto: Stadt Naumburg)

Erfreut war die Organisatorin Claudia Thöne über ein besonderes Apfelbild. Die 10jährige Antonia Mentel malte es speziell für die 21. Hessischen Pomologentage und ergänzte ihre erste Gemäldeausstellung im Haus des Gastes so mit einem themengerechten Motiv.

Der Naturschutz und das Leben in der Streuobstwiese wurden im Eingangsbereich besonders bildhaft und einladend dargestellt. Durch wandeinnehmende Fotodrucke fühlten sich die Besucher in die Streuobstwiese oder einen Fichtenwald versetzt. Während die Streuobstwiese licht ist und eine Vielzahl an Lebewesen beherbergt, wurde der Fichtenwald als Lebensraum der Waldameise erfahrbar. Klaus-Berndt Nickel und Karsten Grotstück informierten als Insektenexperten auch über die Hummelwerkstatt, Hummeln und Einsiedlerbienen. Manfred Seydel widmete sich den Blühflächen und der Gewinnung von Obstbaumpaten.

Manfred Seydel vom Raum für Natur e. V. vor der Streuobstwiese. (Foto: Stadt Naumburg)

Karsten Grotstück von der Ameisenschutzwarte in der Hummelberatung. (Foto: Stadt Naumburg)

Die junge Künstlerin Antonia Mentel (links im Bild) präsentiert Claudia Thöne (rechts im Bild) ihr Kunstwerk. (Foto: Stadt Naumburg)

Besondere Resonanz erfuhr der Vortrag der Pomologin Dr. Susanne Becker über das Thema „Wie kommt der Geschmack in den Apfel?“. Noch in der Schule lernten wir, wo auf der Zunge die süßen, sauren, bitteren oder salzigen Geschmackspapillen liegen. Dieses Bild hat sich heute gewandelt. Die Experten gehen davon aus, dass über die gesamte Zunge verteilt alle Geschmacksrichtungen wahrgenommen werden können. Neu ist die Geschmacksvariante Umami, die sich auf eiweißhaltige Speisen wie Fleisch, Fisch und Milch, bezieht.

Süß steht in der Natur für nahrhafte Speisen und Energiequelle. Bitter und sauer haben immer einen negativen Beigeschmack. Sie stehen für vergorene oder anderweitig schlecht gewordene Speisen. Umami wird sehr positiv empfunden und Eiweiße sind wichtige Bausteine der Ernährung. Äpfel vereinen das Süße mit dem Sauren und wenn hier ein Ausgleich besteht, wird der Apfel als lecker empfunden. Den Geschmack des Apfels beeinflussen wesentlich zusätzlich flüchtige Bestandteile, die beim Kauen freigesetzt werden und über den Geruchssinn wahrgenommen werden. Dieses führt zur Note Himbeere, Orange, Zitrone, weinsäuerlich oder nussartig.

Aber wann schmeckt der Apfel am besten? Geerntet wird dann, wenn einem der Apfel beim Schwenken in die Hand fällt. Muss man Äpfel vom Baum reißen, sind sie noch nicht pflückreif.

Ein Herbstapfel wie der James Grieve oder Discovery sollte direkt vom Baum oder aber innerhalb von 2 Wochen nach der Ernte gegessen werden. Winteräpfel werden nach der Pflückreife noch im kühlen (4°C) und feuchten (95% rel. Luftfeuchte) Lager nachgereift. Handelt es sich um Wirtschafts- und Mostäpfel, so steht nach der Ernte die Verarbeitung zu Kompott und Saft/Wein/Sekt/Destillat an.

Den Vortrag schloss eine Apfelverkostung von 8 Sorten der Hummelwiese an. So konnten die neuen Erfahrungen gleich umgesetzt und erschmeckt werden.

Die Veranstalter danken den Sponsoren Kasseler Sparkasse und Raiffeisenbank Wolfhagen für ihre finanzielle Unterstützung, den Kindergartenkindern fürs Sammeln von Streudeko, einzelnen Spendern von Dekomaterial wie Strohballen, Milchkannen, Gläsern für die Tischdeko sowie den vielen städtischen Mitarbeitern, die mit großem persönlichem Einsatz und mit Spaß an der Arbeit die Veranstaltung reibungslos durchgeführt haben.

Spannende Hinweise auf Jan Bade, Organisator der Naumburger Apfelschau und die Hessischen Pomologentage im Vorfeld der Pomologentage

 

 

 

 

Hessische Pomologentage


In Hessens grüner Spitze und im Märchenland der Brüder Grimm initiierte die Stadt Naumburg die "Hessischen Pomologentage" erstmalig in 1998. Diese Tage sind dem Apfel in all seinen Facetten gewidmet.

Ziel der "Hessischen Pomologentage" ist es, das Thema Apfel in seiner Vielfältigkeit und Bedeutung für Mensch und Natur sowohl für Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft als auch für Praktiker und Liebhaber lebendig darzustellen. Die Facetten des Apfel sind: die Sortenvielfalt Hessens präsentiert in einer Ausstellung, Geschmack und Nutzen in der Küche, Apfelgetränke vom Saft über Wein zum Schaumwein und Brand, der Apfel als Baustein anderer Produkte, der Apfel in Märchen und Mythen, Gesundheitsaspekte, Streuobst als Lebensraum, Apfel & Umwelt, Fachliteratur und Poesie.

Pomologen sind Wissenschaftler und Laien im Bereich Garten- und Obstbau, die sich bevorzugt mit Obstsorten und ihren Beschreibungen, Anbaubedingungen, Qualitäten und Nutzungsmöglichkeiten beschäftigen.

"Pomona", die römische Göttin der Baumfrüchte, steht als Patin für den Pomologen Verein e.V. Deutschland, der Mitg. Die Pomologie des 19. Jahrhunderts stand im Zeichen der Sammlung, Prüfung und Einteilung sowie Bestimmung der Obstsorten. Die Gegenwart dagegen stellt die freie Marktwirtschaft und die steigenden Ansprüche der Verbraucher in den Vordergrund, so dass die Sortenvielfalt für den Verbraucher stark zurückgegangen ist.

 

Veranstaltungsteam und Ansprechpartner bei der Stadt Naumburg

Das Veranstaltungsteam

Pomologen-Verein e.V.

Andrea und Ralf Kämmerer (Obstsortenaussteller)
Jan Bade (Obstsortenaussteller)
Werner Nussbaum (Obstsortenaussteller)
Robert Jäger (Obstsortenaussteller)

Amt für den ländlichen Raum

Dierk Schwedes

Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen Kassel

W. Peter Sörries
Dieter Levin-Schröder
Hans-Jürgen Borneis

Raum für Natur e.V.

Manfred Seydel
Klaus-Berndt Nickel
Peter Soltau
Jürgen Günst
Udo Umbach
Claudia Thöne

SILKA

Helmut Sauerland

Stadt Naumburg

Natur-Informationszentrum

Claudia Thöne
Mitarbeiter/-innen aus Rathaus, Kindertagesstätten und Bauhof

Obstsortenbestimmer des Pomologen-Verein e.V.:

Jan Bade, Kaufungen
Sabine Fortak, Königslutter
Carina Pfeffer, Rösrath
Hans-Joachim Bannier, Bielefeld / NRW
Dr. Werner Schuricht (1998 – 2008)

Info: Natur-Informationszentrum der Stadt Naumburg Hattenhäuser Weg 10-12 34311 Naumburg Tel. 05625-7909-73 Fax 05625-7909-74