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Donnerstag, 18. Januar 2018

14. Hessische Pomologentage

in Naumburg

Bürgermeister Stefan Hable und Anita Loskant vor der speziell für Naumburg angefertigten Ausstellung ?der Apfel in der Kunst?. Die Bilder der Künstlerin Anita Loskant in Acryl und Pastellkreide spiegeln die Jahreszeiten und die Fülle wieder.(Foto: Claudia Thöne)
Der Spitzrabau ? Sorte des Jahres 2012 ? Vorstellung durch den hessischen Pomologen Walther Meiß (Foto: Claudia Thöne)
Jürgen Krenzer, Rainer Holzhauer, Andreas Jung, Uwe Bächt, Dr. Norbert Clement, Bürgermeister Stefan Hable (v.l.n.r.) bei der Verleig´hung des Oberdieck-Preises (Foto: Claudia Thöne)
Fasziniert waren die Kinder von den blauen und roten Kartoffeln am Stand von Walter Weymann. (Foto: Claudia Thöne)

Die 14. Hessischen Pomologentage lockten wieder einmal zahlreiche Besucher nach Naumburg. Der Hessencourrier am Sonntag platze gar aus allen Nähten. Dort wurden über 200 Eintrittstaschen verkauft. An den Markttagen Samstag und Sonntag überzeugte das vielfältige Angebot, die riesige Obstschau und die Apfelvariationen aus der Küche der Metzgerei von Gottlieb Bührer. Heimisches Obst wie der rheinische Krummstiel aus der Hummelwiese fand sich in diesem Jahr sowohl im Menü im Haus des Gastes, in den Kuchen der Gaststätte "Alte Ziegelei" und dem Degustationsmenü im Burghain, für das "Der Grischäfer2 verantwortlich zeichnete. So werden die Genüsse in Naumburg unverwechselbar.

Über 3.000 Besucher zählten die Veranstalter, wobei viele Kinder mitkamen und im Kurpark bei Bogenschießen und Kinderschminken den Aufenthalt genossen. Am Sonntag entführte Jürgen Krenzer aus der Apfelscheune in der Rhön mit seinen mitreißenden Erlebnissen bei der Entwicklung einer marktführenden Gastronomie aus einem mittelständischen kleineren Betrieb. Schon mit 14 übernahm er seine erste Apfelwiese. Seine Neugier und Kreativität brachte ihm auch international großes Ansehen. Der Apfelsherry aus der Rhön wurde gar in Spanien auf der internationalen Apfelweinmesse ausgezeichnet.

Der diesjährige Oberdieck-Preis wurde im feierlichen Rahmen des Degustationsmenüs in der alten Stadthalle im Burghain übergeben. Neben der Urkunde erhielt der Preisträger Andreas Jung einen Rebstock in Stein von Uwe Bächt. Norbert Clement betonte bei seiner Laudatio, dass das Obstsortenbestimmen auch immer etwas mit Meditation und Beschaulichkeit zu tun hat. Den vor der Bestimmung steht die Beschreibung einer Frucht. In den Zeiten ohne Fotografie wurde dies in sehr variantenreicher Sprache erfasst. Nur wenige wie der Pomologe Korbinian Aigner konnten die Früchte naturgetreu malen und damit ihr Wissen weitergeben. Der Diesjährige Oberdieck-Preisträger heißt Andreas Jung und hat sein Leben den Rebensorten gewidmet. Er wurde vom BMELV mit der Erfassung der rebengenetischen Ressourcen in Deutschland (2007 - 2009) beauftragt und entwickelte sich zum anerkannten Rebsortenexperten. Seine Aktivität bezog sich auf ganz Deutschland, aber auch in der Schweiz und in Polen forschte er. Nach Beendigung des Forschungsauftrages führte er die Sammlung autochthoner Rebsorten und die aufwendige Such-, Selektions- und Erhaltungsforschung privat weiter. Allein in seinem ersten Weinberg entdeckte er 34 autochthone Rebsorten und Klone, die in diesen uralten und trotz Reblaus wurzelechten Weinbergen noch wuchsen. Mit einem Spendenaufruf im Jahresheft des Pomologen Verein will er einen ganz besonderen Weinberg in der Südpfalz retten. Einige alte Landsorten wie Ortlieber, Honigler, Heunisch, Weißer Tokayer, Lämmerschwanz, Gelbe Seidentraube, Fitzrebe, Roter und Rot-Weißer Veltliner, Bettlertraube, Blauer Blank, Blauer Elbling, Primitivo, Affenthaler oder Blauer Heunisch sind im Südpfalzweinberg mit mehreren Bergsträßer Klonen versammelt.

Auch einige Klone von besonders alten Stöcken von klassischen Sorten hat Andreas Jung eingesammelt, u. a. vom Roten und Weißen Elbling, Silvaner, Auxerrois, Riesling, Gutedel oder vom rot- und gelbholzigen Trollinger. Alle diese Sorten sind in Deutschland autochthon und sehr alt. Der mit 1.500,00 Euro dotierte Oberdieck-Preis kann hier sinnvolle Dienste leisten.

Spenden zur Erhaltung des Südpfalzweinbergs können auf das Konto des Pomologen-Vereins Stichwort "Rettung des Südpfalzweinbergs" getätigt werden. Ab 200 Euro sind Spendenquittungen vom Pomologen-Verein erhältlich.