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Montag, 19. November 2018

15. Hessische Pomologentage

in Naumburg

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher genossen das Markttreiben bei den 15. Hessischen Pomologentagen in Naumburg

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher genossen das Markttreiben bei den 15. Hessischen Pomologentagen in Naumburg (Foto: PA Stadt Naumburg)

Eine Attraktion für jung und alt: Gerd der Gaukler

Eine Attraktion für jung und alt: Gerd der Gaukler (Foto: PA Stadt Naumburg)

Bürgermeister Stefan Hable bei seinem Grußwort zur Eröffnung der Pomologentage

Bürgermeister Stefan Hable bei seinem Grußwort zur Eröffnung der Pomologentage (Foto: PA Stadt Naumburg)

Staatssekretär Peter Bleser vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei seinem Grußwort

Staatssekretär Peter Bleser vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei seinem Grußwort (Foto: PA Stadt Naumburg)

Die diesjährige Trägerin des Oberdieck-Preises Dr. Annette Braun-Lüllemann (2. von links) mit dem Laudator, Dr. Norbert Klement (links im Bild. Mit ihr freuen sich Staatssekretär Peter Bleser, Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable und Claudia Thöne (v. l. n. r.).

Die diesjährige Trägerin des Oberdieck-Preises Dr. Annette Braun-Lüllemann (2. von links) mit dem Laudator, Dr. Norbert Klement (links im Bild. Mit ihr freuen sich Staatssekretär Peter Bleser, Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable und Claudia Thöne (v. l. n. r.) (Foto: PA Stadt Naumburg)

Auch die Gaumenfreuden kamen nicht zu kurz: Staatssekretär Peter Bleser, Bürgermeister Stefan Hable Claudia Thöne und Hans-Joachim Bannier am Apfelsektstand von Joachim Döhne (v. r. n. l.)

Auch die Gaumenfreuden kamen nicht zu kurz: Staatssekretär Peter Bleser, Bürgermeister Stefan Hable Claudia Thöne und Hans-Joachim Bannier am Apfelsektstand von Joachim Döhne (v. r. n. l.) (Foto: PA Stadt Naumburg)

Eldorado der Vielfalt landwirtschaftlicher Kulturpflanzen

Wieder einmal zogen die Pomologentage in Naumburg viele Besucher aus Nah und Fern an. Die Kombination aus Schau und Markt bietet Jung und Alt vielfältige Eindrücke und Geschmacksvarianten.

Die örtliche Gastronomie kreierte leckere Gerichte um den Apfel und so manch einer kam gezielt zur Mittagszeit am Samstag um in Ruhe zu speisen und einzukaufen. Der Hessencourrier brachte gar ganze Scharen an interessierten Besuchern aus dem Kassler Raum. Welch große Ausstrahlung die Pomologentage hatten zeigten die Absender des Preisrätsels aus Berlin und Dortmund. Die Feuerwehr hatte die Parkplatzeinweisung übernommen und eine Einbahnstraße wurde im Hattenhäuser Weg eingerichtet, derart groß war der Zustrom. 2300 verkaufte Eintrittstaschen bedeuten mindestens ebenso viele Besucher ohne den hohen Anteil an Kindern gerechnet. Die Veranstalter freuen sich über den guten Zuspruch und danken allen Unterstützern. Hervorgehoben wurden Hans-Joachim Bannier, Obstsortenbestimmer aus Bielefeld und Seminarleiter der ersten Stunde, Jan Bade, hauptverantwortlicher für die Obstschau, sowie Manfred Seydel und Klaus-Berndt Nickel als wichtige Stützen des Natur-Informationszentrums.

Kinder hatten ihren Spaß im Naturschutzzimmer beim Preisrätsel oder in Natur-Erlebnisraum im Obergeschoss des Haus des Gastes. Das Bogenschießen war trotz Regen gut besucht und auch Gerd der Gaukler konnte am Sonntag im Kurpark seinen Hexenbesen fliegen lassen. Die Kleinen machten begeistert mit und lernten bei ihm vielleicht ihre ersten Jonglierkunststücke.

Bürgermeister Stefan Hable ging in seinem Grußwort zur Eröffnung der Pomologentage auf die Erfolgsgeschichte und die Bedeutung der Veranstaltung für Naumburg ein. "Die Pomologentage haben sich zu einem Großereignis gemausert, das aus dem Veranstaltungskalender unserer Stadt nicht mehr weg zu denken ist und auf das sich jährlich Tausende von Besuchern aus nah und fern freuen" so Hable.

Die Hessischen Pomologentage in Naumburg bieten seit Jahren eine der größten Schauen der Obstsortenvielfalt in Deutschland. Alte Landsorten wie der "Seestermüher Zitronenapfel" aus Schleswig-Holstein oder der "Gewürzluiken" aus Baden-Württemberg sind hier genauso zu sehen wie Jonagold, Cox Orange oder andere Sorten des Erwerbsobstbaus. Der Pomologen-Verein e.V. setzt sich besonders für die Erhaltung robuster alter Sorten ein, sei es bei Apfel, Birne, Pflaume und Kirsche, - ganz im Sinne Pomonas, der Göttin der Baumfrüchte.

Angesichts einer zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft droht Biologische Vielfalt heute nicht nur bei Obstsorten, sondern bei allen Kulturpflanzen, mit denen sich Menschen ernähren, verloren zu gehen. Die damit einhergehende genetische Verarmung erhöht das Risiko von Krankheiten und Schädlingen und einen damit einhergehenden erhöhten Verbrauch von Pestiziden in der Landwirtschaft.

Anlässlich ihres 15-jährigen Jubiläums präsentieren die Hessischen Pomologentage daher - in Zusammenarbeit mit dem "Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt" sowie dem Verein "Freie Saaten.org" - nicht nur Obstsorten, sondern auch eine Vielfaltschau alter Kartoffel-, Getreide-, Mais- und Karottensorten.

Die Bedeutung der Biologischen Vielfalt ist - nicht zuletzt seit dem Jahr der Biologischen Vielfalt 2010 - auch stärker in der Politik - angekommen. Dies spiegelt der Besuch des Staatssekretärs Bleser vom Landwirtschaftsministerium bei den Hessischen Pomologentagen ebenso wieder wie die Gründung der "Deutschen Genbank Obst" an der neben den Einrichtungen öffentlich-rechtlicher Träger auch private Pflanzensammlungen beteiligt sind.

Der Pomologen-Verein hat darüber hinaus ein eigenes "Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt" gegründet, da die Erhaltung seltener alter Sorten nur erfolgreich sein kann, wenn sie an vielen Orte und mit vielen Mitstreitern stattfindet.

Jährlich wird zur Anerkennung der wichtigen Erhaltungsarbeit der Oberdieck-Preis von der Stadt Naumburg und dem Pomologen-Verein verliehen. In diesem Jahr ging er an Dr. Annette Braun-Lüllemann. Hauptanliegen all ihrer pomologischen Arbeiten, die seit ca. 10 Jahren durchgeführt werden, ist die Auffindung, Identifizierung und langfristiger Erhaltung der biologischen Vielfalt der Steinobstsorten, Schwerpunkt Kirschen und Pflaumen. Neben der reinen Sortenerhaltung ist ihr prioritäres Ziel, geeignete alte Sorten wieder in die Nutzung zu bringen, in Hausgärten und Streuobstwiesen, auf Marktständen und als verarbeitete Produkte in die Regale von Regionalläden.

Dass die Erhaltung robuster Landsorten (und einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft weltweit) nicht nur eine rückwärtsgewandte und museale Schwärmerei ist, sondern von großer Bedeutung für die Sicherstellung der Ernährung - gerade in der sog. Dritten Welt - hat der Weltagrarbericht von 400 Wissenschaftlern im Auftrag der Vereinten Nationen sowie der Weltbank festgestellt.

Biologische und genetische Vielfalt bedeutet "ganz nebenbei" aber auch Vielfalt an Geschmacksrichtungen, und hat für manche Bevölkerungsgruppen hier und heute manchmal eine ganz elementare Bedeutung: So hat die Erfahrung gezeigt, dass viele alte Apfelsorten von Menschen mit einer vermeintlichen Allergie gut vertragen werden.

In diesem Sinne waren die 15. Hessischen Pomologentage ein Fest mit allen Sinnen!