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Montag, 23. Juli 2018

17. Hessische Pomologentage in Naumburg

Rund 2.500 Gäste nutzten am vergangenen Wochenende die Gelegenheit zu einem Besuch der 17. Hessischen Pomologentage in Naumburg. Der Apfel hatte es nicht nur den Nordhessen angetan. Aus einem Umkreis von 100 km kamen Gäste zum Apfelmarkt in das Haus des Gastes und die Fahrt der Museumsbahn Hessencourrier nach Naumburg war schon Wochen vorher ausgebucht. Zwei Gruppen in historischen Kostümen begleiteten den Zug und verliehen so dem Markt ein besonderes "historisches Flair".

Apfelmarktbesucher in historischen Kostümen. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Am Sonntagnachmittag war der Saal prall gefüllt und alle Besucherinnen und Besucher erfreuten sich an den fantastischen Angeboten der Apfelschau, die wieder um die 200 Sorten bot, unter ihnen die Hessischen Lokalsorten der vergangenen Jahre. Zur Entwicklung und Erhaltung von Sorten benötigen die Gärtner die sog. Edelreiser. Auch wenn sich mal ein schmackhafter Sämling aus einem Apfelkern entwickelt, kann dieser zu Sorte werden. Aber eben nur über die Vermehrung durch Veredelung mit Reisern desselben Baumes. Die Sorte "Anhalter" ist die Lokalsorte in Hessen für das Jahr 2015. Sie ist ein Kelterapfel und bringt einen schmackhaften Apfelwein hervor. Die nordhessische Spezialität dagegen ist der Apfelsekt der Sektkellerei Döhne aus Breitenbach. Diesen genossen dann auch die Mitglieder einer Reisejournalistengruppe der GrimmHeimat Nordhessen, die auf der kulinarischen Spur in Nordhessen unterwegs war und diesen Abstecher nach Naumburg einplante. Die liebevoll arrangierte Apfelvielfalt in den Ausstellungwaben und die Produktvielfalt um den Apfel hatte es Ihnen angetan.

Reisejournalisten auf Einladung der GrimmHeimat NordHessen am Stand der Sektkellerei Döhne betreut durch Stefan Frankfurth, (3. v. l.). (Foto: PA Stadt Naumburg)

Munteres Treiben beim Apfelmarkt an allen Ständen und auf der Bühne bei der Obstsortenbestimmung mitgebrachter Früchte. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Die Pomologentage ziehen aber auch bundesweite Kreise und versammeln einmal im Jahr eine Schar an Interessierten, die das Bestimmen von Obstsorten erlernen möchten. Ob aus Hamburg, Bad Steben, Köln oder Berlin. Hier mitten in Deutschland ist ein idealer Treffpunkt zum Austausch mit den Experten Hans-Joachim Bannier und Sabine Fortak.

Seit der Wiedergründung des Deutschen Pomologen Vereins e.V. in 1991 hat sich der Verein stark entwickelt und zählt nun schon über 1000 Mitglieder. Naumburg spielt hier eine wichtige Rolle, bietet die Stadt an der kleinen Elbe doch auch im Frühjahr den idealen Ort für ein Symposium. Die jährliche Klausurtagung des Vereins beschäftigt sich mit wesentlichen Themen der Erhaltung und Pflege bis hin zu ganz speziellen Erhaltungsdatenbanken. Hier ist der diesjährige Oberdieck-Preisträger Jan Bade in besonderer Weise beteiligt. Er hat ein Netz von über 50 Erhaltern über die Bundesrepublik gesponnen, die in Obstanlagen seltene Obstsorten anpflanzen. Grundvoraussetzung ist, dass die Erhalter Flächen mit Bestandsgarantie vorweisen können und ihre Sorten auch zertifizieren lassen. Denn erst, wenn der Apfel am Baum unabhängig von 3 Pomologen bestimmt wurde, kann ein Sortenechtheitszertifikat des Pomologen Vereins ausgestellt werden. Alle Erhalter sind erfasst und die Sorten in Datenbanken aufbereitet, um so für die Zukunft erhalten zu werden.

Mike Gerhold, Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Naumburg, Dr. Norbert Clement, Pomologen Verein e.V., Sabine Fortak, 2. Vorsitzende des Pomologen-Verein e.V., Jan Bade, Oberdieck-Preis-Träger 2014, Uwe Bächt, Gestaltung in Stein, Claudia Thöne vom Natur-Informationszentrum Naumburg. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Jan Bade begann seine pomologische Arbeit vor 15 Jahren in Naumburg und brachte Früchte einer von ihm in Pflege genommenen Wiese in Kaufungen mit. Werner Schuricht und Hans-Jochim Bannier faszinierten ihn gleich mit ihrer Kunst, Obstsorten zu bestimmen und so begann er, sich autodidaktisch in dieses Themenfeld einzuarbeiten. Er reiste zu vielen Apfeltagen und schaute den Experten über die Schulter. Heute ist er selbst ein viel gefragter Sortenbestimmer, nicht nur in Nordhessen. Der Oberdieck-Preis legt aber nicht nur den Fokus auf die Bestimmung der Sorten, sondern auch auf die Weitergabe von Kenntnissen.

Jan Bade hat mit dem Pomologen Verein e.V. eine Fortbildung zur Obstgehölzpflege ins Leben gerufen. Neben Grundkenntnissen der Biologie und Ökologie sowie Anlage von Streuobstwiesen und Obstanlagen, werden auch Obstbaumschnitt, Veredelung, Sortenkenntnisse, Förderung des Wuchses und Verarbeitungsmöglichkeiten vermittelt. Hier findet mittlerweile der vierte Kurs statt und das Interesse ist weiter groß, da eine derart umfassende Ausbildung in Hessen den Streuobstbereich betreffend so nicht angeboten wird. Norbert Clement dankte in seiner Laudatio Jan Bade für sein besonderes Engagement und seinen selbstlosen Einsatz und überreichte gemeinsam mit Mike Gerhold, Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Naumburg, Claudia Thöne vom Natur-Informationszentrum Naumburg, Sabine Fortak, 2. Vorsitzende des Pomologen-Verein e.V. den mit 1.500 Euro dotierten Preis. Uwe Bächt übergab den Sonderpreis in Stein, eine Doppelfrucht aus Apfel und Birne, die damit die Hauptfrüchte der Sortenbestimmung des Preisträgers widerspiegeln.

Jan Bade und Uwe Bächt, Gestaltung und Stein und Spender des Sonderpreises. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Auch das Team vom Hessischen Rundfunk war von den Pomologentagen in Naumburg total begeistert und zeichnete für die Hessenschau am Sonntagabend auf. Der Beitrag kann in der HR-Mediathek unter http://www.hr-online.de/website/archiv/hessenschau/hessenschau.jsp?t=20141102&type=v abgerufen werden.

Das HR-Team um Redakteurin Rebecca Brühl auf den Hessischen Pomologentagen in Naumburg. (Foto: PA Naumburg)

Im Kinderaktionspavillon erzählte Jörg Dreismann mit seinen Figuren aus dem Bauchladen unter anderem Märchen der Brüder Grimm. Ob Maus oder Froschkönig - seine Figuren hatten viele lustige Geschichten auf Lager.

Die Maus von Jörg Dreismann erzählt wundervolle Märchen (Foto: PA Stadt Naumburg)

Lizzy Mihaly & Jan Bade können dem Froschkönig nicht widerstehen. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Ein besonderes Apfelmemory bot 34 Früchte von 17 verschiedenen Apfelsorten. Bei der Paarbildung war genaue Beobachtungsgabe gefragt. Dies war eine schöne Möglichkeit, Bestimmungsmerkmale wie Fruchtfarbe, Schale matt oder glänzend, Apfel-Tonnen förmig oder platt und kurzer oder langer Stiel, kennenzulernen.

Teilweise Knifflig: das Apfelmemorie zog kleine und große "Spieler" an. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Hier unterstützten die Betreuerinnen, wie Claudia Thöne, gerne und halfen beim Raten. Das Memory war Teil eines Rätsels, dass auch durch die Ausstellung führte und Fragen aufwarf wie: Welches ist die  Apfelsorte mit dem längsten Namen, wie z.B. "Strauwalds neue Goldparmäne". Die erste Preisvergabe am Samstag konnte zwei Gewinnerinnen beglücken. Ein Ameisenbuch ging an Jette aus Fulda und ein Buch über Saurier an Emilia aus Kassel.

Die ersten Preise des Kinderrätsels konnten am Samstag durch Claudia Thöne vergeben werden. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Ob Schokoäpfel mit dem Förderverein Elbetalschule oder Kinderschminken, Apfelwettangeln oder malen, die Kinder hatten im Aktionspavillon ihren Spaß.

Der Förderverein der Elbetalschule Naumburg beteiligte sich an den diesjährigen Pomologentagen. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Das Kinderschminken kam wie immer sehr gut an. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Informationen zum Thema Streuobst gab Manfred Seydel von der SILKA (Streuobstinitiative des Landkreises Kassel). Er betreute zusätzlich einen umfangreichen Büchertisch mit Fachliteratur aus dem Obstanbau wie Pflege, Schnitt und Veredelung. Aber auch pädagogische Schriften wie "das grüne Klassenzimmer" für die Grundschule waren dabei. Immer wieder wirbt er für die Vernetzung der Initiativen im Streuobst und entwickelte ein besonderes Obstpatenschafts-System.

Fotoausstellung zum Thema Streuobstwiesen. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Beeindrucken konnte hier die Ausstellung der Gewinnerfotos des Fotowettbewerbs Kassel. Monatlich wird eine Streuobstwiese ausgesucht und nur von dieser dürfen dann Bilder eingereicht werden. Der Streuobstwiesenlehrpfad in Niederlistingen ist ein Projekt des Geschichtsvereins Niederlistingen und zeigt die Historie und jetzige Nutzung sowie den ökologischen Wert einer Streuobstwiese auf. Die diesjährige Ernte war reichlich und konnte auf dem Markt erworben werden.

Klaus Berndt Nickel von der Ameisenschutzwarte stellte sein neues Konzept zum außerschulischen Lernort "Waldameise" vor.

Das Thema biologische Vielfalt wurde durch einen Vortrag zum Thema blühende Landschaften am Sonntag ergänzt, der viele Möglichkeiten von Blühflächen in der Agrarlandschaft, im Grünland, dem Hausgarten sowie den öffentlichen Flächen aufzeigte.

Der Informationsbereich der Ameisenschutzwarte wurde von Klaus-Berndt Nickel betreut. (Foto. PA Stadt Naumburg)

Das Organisationsteam bedankt sich recht herzlich bei den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Naumburg für die Parkplatzeinweisung am Sonntag und bei der Einsatzbereitschaft Naumburg des Deutsche Roten Kreuzes, welche die Sanitäter vor Ort gestellt hat. Ebenso bedanken wir uns bei den  Spendern von Dekorationsmaterial wie Franz Ruthenbeck, Cordula Rabanus und Beate Jacobi. Die Gastronomie versorgte die Gäste auch in Zeiten großen Andrangs vortrefflich. Hier sei der Metzgerei Döring, Marco Schäfer sowie der Firma Löber herzlich gedankt. Im Foyer informierten der Naturpark Habichtswald, die TAG Habichtswald sowie der Habichtswaldsteig. An dieser Stelle gilt der Dank den ehrenamtlichen Naturparkführern.

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