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Donnerstag, 18. Januar 2018

Rückblick auf die 18. Hessischen Pomologentage (31.10. - 01.11.2015)

Die diesjährigen Hessischen Pomologentage zogen bei strahlendem Sonnenschein an zwei Markttagen wieder knapp 3.000 Besucher aus einem Umkreis von 100 km an. Das Obstsortenbestimmungsseminar mitten in Deutschland zieht immer weitere Kreise und begeistert auch Nachwuchskräfte. Hans-Joachim Bannier, versierter Pomologe aus NRW, ist Gastreferent an der Universität Kassel, Standort Witzenhausen und lockt so junge Agraringenieursanwärter nach Naumburg zur Obstsortenbestimmung. So erhält die Erhaltung alter Obstsorten auf Streuobstwiesen immer wieder neuen Input.

Auftakt am Samstag war eine kulinarische Wanderung über die Weidelsburg und die Weingartenkapelle. Buntes Herbstlaub, milde Temperaturen und Köstlichkeiten aus dem Hause Metzgerei Dux sowie aus dem Waldladen von Hessen-Forst sorgten dafür, dass die Wanderung bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in guter Erinnerung bleibt.

Die Wanderführerin Gertraude Frost vom örtlichen Weidelsburgverein vermittelte der Wandergruppe unterwegs kurzweilige Informationen zu Landschaft und Geschichte.

Kulinarisches Waldbuffet (Foto: PA Stadt Naumburg)

Die Wandergruppe am sogenannten „Katzenloch“ bei der Weidelsburg. (Foto: Horst Siebert)

Wildschweinbratwurst, selbstgebackener Apfelkuchen und ein Apfelschnäpschen wurden an der Weingartenkapelle gereicht. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Im Haus des Gastes wartete zum Abschluss der Wanderung ein lukullisches Buffet mit Variationen vom Apfel. Die folgenden Bilder geben hier ein paar Eindrücke wieder.

„Brenner“ Joachim Döhne. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Waldorfsalat mit Vaterapfel und Lachsröllchen dedr Metzgerei Dux. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Lena Gogler mit dem Schokoapfel, Kreation der Hessenpraline. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Liebeshonig der Stadtimker Kassel. (Foto: PA Stadt Naumburg)

 

Besondere Angebote mit Tortellini und Rotwein hatten die Gäste aus San Mauro Pascoli dabei. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Franz Ruthenbeck, Bürgermeisterin Luciana Garbuglia von San Mauro Pascoli und Willy Gerhold vor einem Schuhkunstwerk. Neben Gemüse ist die Produktion von Lederwaren und hier im Besonderen von sehr feinen Schuhen ein wichtiges wirtschaftliches Standbein der Partnerstadt in der Emilia Romagna. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Einstieg in die Abendveranstaltung war eine Apfelsortenverkostung von 18 verschiedenen Sorten mit Hans-Joachim Bannier am Gemeinschaftsstand von SILKA und Naturlandstiftung. Er zeigte zum Erstaunen der Teilnehmer auf, dass die schönsten Äpfel nicht immer den besten Geschmack haben. Eine graue Herbstrenette erinnert an einen Boskoop aber der Geschmack ist fein und nussig. Ein Horneburger Pfannkuchenapfel, der in Naumburgs Landschaft reichlich vorkommt, eignet sich ganz besonders gut zum Backen, denn er wird nicht braun und bleibt auch als Stück erkennbar. Die Mutter des Cox Orange, der Ribston Peppin, wächst auch bei uns ohne Spritzmittel und hat immer eine schöne Schale.

Großer Andrang bei der Apfelsortenverkostung mit Hans-Joachim Bannier. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Das pomologische Highlight aber war die Oberdieck-Preis-Verleihung. Der von der Stadt Naumburg, dem Pomologen-Verein e. V. und dem Land Hessen ausgelobte Verein mit einem Preisgeld in Höhe von 1.500 € geht in diesem Jahr an Steffen Kahl aus Aßlar in Mittelhessen. Er ist eine Auszeichnung herausragender wissenschaftlicher Leistungen auf dem Gebiet der Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen im Obstbau. Steffen Kahl hat die Vielfalt alter Obstsorten seit seiner Jugend bzw. seit seiner Ausbildung zum Gärtner in der Mitte der 80er Jahre begeistert. Damals begann er Apfelsaft und -wein selber zu keltern und wollte wissen, welche Sorten er dafür verwenden soll - so lernte er schon früh Sorten wie Rheinischer Bohnapfel, Roter Trierer Weinapfel oder Rote Sternrenette kennen.

Seit Februar 1997 ist er Mitglied im Pomologen-Verein e. V., Initiator der Vereinstreffen auf Landesebene: „Der Runde Tisch – Alte Obstsorten“ (seit 1999), Gründer der ersten Landesgruppe, Initiator verschiedener Projekte wie Reiserböse, Hessische Lokalsorte des Jahres, Pomologenwiese…. Ihm verdanken wir die jährliche hessische Lokalsorte, wie 2014 den Vaterapfel, der gerade im Naumburger Raum so besondere Verbreitung hat. Viele Sorten wurden durch ihn wieder entdeckt und in die Verbreitung gebracht, u. a. Carpentin, Quittenförmiger Gulderling, Amerikanischer Gestreifter Süßapfel oder die hessischen Lokalsorten Dorheimer Streifling, Mensfelder Glanzrenette, Spitzrabau, Gestreifter Matapfel. Er hat so maßgeblich zum Erhalt beigetragen.

Übergabe der Urkunde an Steffen Kahl. Im Bild v. l. n. r.: Claudia Thöne (Stadt Naumburg), Steffen Kahl mit Ehefrau, Naumburgs Stadtrat Mike Meier sowie die Vorsitzende des Pomologen-Vereins e. V. Sabine Fortak. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Im Anschluss an die Preisverleihung stellte Steffen Kahl die Hessische Lokalsorte 2016 „Weilburger“ vor. Im Jahr 2009 hat der Pomologen-Verein e. V., Landesgruppe Hessen, in einer Anzeige eine Apfelsorte gesucht, die früher im Aar- und Lahntal sowie im Raum Wiesbaden weit verbreitet war. Schon in einem Buch von 1799 "Der Teutsche Obstgärtner" wurde die Apfelsorte erwähnt, die die Pomologen "Weilburger" nennen. Ein Jahr später wurde Martina Adams vom Pomologen-Verein e. V. fündig. In Hünfelden-Hahnstätten wurden zwei Bäume gefunden, die diesen Traditionsapfel tragen. Das ist umso erstaunlicher, wird die Apfelsorte doch vor 100 Jahren zuletzt in einem Buch erwähnt.

Im Pavillon zogen das Apfelpuzzle, Malangebote sowie das Apfelwettangeln die kleinen Gäste an.

Hier wurden die Blicke geschärft. Welcher ist der zweite Apfel? Besucher Axel Ritter mit seinen Nichten Amelie und Pauline. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Markttreiben.(Foto: PA Stadt Naumburg)

Ausstellungswaben mit über 200 Apfelsorten und 30 Kartoffelsorten, im Hintergrund Andrang auf der Bühne bei den Obstsortenbestimmern. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Im Außenbereich lockten Grillstand, Schmacken der Altendorfer Kirchengemeinde und Bogenschießen.(Foto: PA Stadt Naumburg)

Peter Wenzel und Manfred Seydel von der Naturlandstiftung. Manfred Seydel als Mitglied des Raum für Natur e. V. ist seit 1994 ein wichtiger Partner bei der Ausrichtung von Herbstmarkt und Pomologentage. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Hilmar Bergmann vom NABU als Gast am Stand des Hautflüglerzentrums Naumburg, der von Karsten Grothstück und Klaus-Berndt Nickel betreut wurde. Nur eine gute Bestäubung garantiert einen hohen Apfelertrag. Über die Bedeutung der Bienen sprach Richard Trutti bei seinem Vortrag im Obergeschoß. Die Völker mit um die 20.000 überwinternden Arbeiterinnen garantieren die Bestäubung der Obstblüte im Frühjahr. Er zeigte Arbeiten am Bienenvolk auf und die Möglichkeit, einen Imker ein Jahr zu begleiten, um so das Wissen aus erster Hand zu erhalten. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Walter Weymann mit Sorten wie das Bamberger Hörnchen, die jährlich in der Ausstellung präsentiert und auch am Stand verkauft werden. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Märchenhafte Becher des Märchenlandens Bad Wildungen. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Naumburg als Froschkönigort am Märchenlandweg freut sich besonders über das hübsche Froschkönigspaar. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Frauenpower am Apfelstand der Streuobstwiese Niederlistingen. Die Streuobstwiese konnte nur überleben, da sich der Landwirt Karl Sauerland gegen die Rodung seiner Obstbäume in den frühen sechziger Jahren und für die Erhaltung der Obstwiesen entschied. An ihn erinnern Karls Apfelchips. (Foto: PA Stadt Naumburg)

Die Elbetalschule beteiligte sich mit einem Apfelgelee-Verkaufsstand der Klassen 4, die mit Claudia Thöne vom NIZ Naumburg an der Hengstwiese 6 volle Säcke Äpfel geerntet hatten. (Foto: PA Stadt Naumburg)