SCHAUENBURG. Am vergangenen Samstag, den 25. April 2026, demonstrierten die Feuerwehren der Region ihre Einsatzbereitschaft. Im Rahmen einer großangelegten Übung im Bereich Schauenburg trainierten drei Katastrophenschutz-Löschzüge (KatS-LZ), das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sowie HessenForst die Bekämpfung eines simulierten Waldbrandes. Die Übung diente dazu, die taktischen Abläufe bei Vegetationsbränden zu verfeinern und die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg zu festigen.
Einsatzleitung Schauenburg
Da der Waldbrand in der Gemarkung Schauenburg etwa um 08.30 Uhr ausbrach, wurde hier die technische Einsatzleitung im Feuerwehrhaus eingerichtet. Schnell wurde klar, dass diese Lage mit den örtlichen Kräften allein nicht zu bewältigen ist.
Alarmierung KatS-Einheiten
Für diesen Zweck sind im Landkreis Kassel mehrere Katastrophenschutzlöschzüge vorstrukturiert und in Schwerpunktfähigkeiten unterteilt. Deren Alarmierung erfolgte gegen 09.00 Uhr.
Strategische Aufteilung und taktische Besonderheiten
Um das weitläufige Übungsszenario außerhalb der Ortslage effektiv abzuarbeiten, wurde die Einsatzstelle in verschiedene Abschnitte unterteilt. Jeder Löschzug erhielt dabei einen spezifischen, hochspezialisierten Auftrag:
• Sicherstellung der Wasserversorgung (KatS-LZ 08, Schauenburg): Die Einsatzkräfte des Löschzugs 08
bildeten das logistische Rückgrat. Ihre Kernaufgabe lag in der Wasserförderung über lange Wegstre
cken. Durch den Aufbau einer stabilen Leitung über einen Kilometer mit mehreren Verstärkerpumpen
stellten sie sicher, dass die angreifenden Einheiten an den Brandbereichen kontinuierlich mit Lösch
wasser versorgt wurden.
• Bodengebundene Brandbekämpfung (KatS-LZ 11, Emstal/Naumburg): Im nördlichen Einsatzabschnitt
setzte der Löschzug 11 auf die taktische Brandbekämpfung mittels Spezial-Handwerkzeugen. Durch
das Anlegen von Schutzstreifen und das gezielte Entfernen von brennbarem Bodenmaterial wurde
eine weitere Ausbreitung des Feuers im unwegsamen Gelände unterbunden.
• Kaskadierter Löschangriff (KatS-LZ 12, Habichtswald/Zierenberg): Der Löschzug 12 übernahm den
Angriff an der südlichen Flanke. Hier kam ein kaskadierter Löschangriff zum Einsatz. Bei dieser dyna
mischen Taktik werden die Schlauchleitungen während des Vorrückens immer wieder verlängert. Dies
ermöglichte den Kräften, den Löschangriff flexibel und unter stetigem Wasserdruck tief in das betrof
fene Waldgebiet vorzutreiben.
• Unterstützung durch weitere Überörtliche Einheiten: Die Feuerwehr Wolfhagen, an deren Standort ein
Abrollbehälter mit 10.000 Liter Löschwasser des Landkreises Kassel vorgehalten wird, unterstütze in
dieser Übung mit ihrem Wechselladerfahrzeug im Rahmen des Tankpendelverkehrs. Dabei wurden
Wasserübergabestellen in Form von mobilen Wasserbassins fortlaufend mit Löschwasser versorgt.
Fachbeobachtung und gesellschaftliches Interesse
Die Relevanz solcher Übungsszenarien wurde durch die Anwesenheit zahlreicher Gäste unterstrichen. Fachberater von HessenForst begleiteten die Maßnahmen, um die Auswirkungen auf den Forstbestand zu bewerten, die Einsatzleitung fachlich zu beraten und sich im Gelände einen Überblick über die Arbeit der Feuerwehrkräfte zu verschaffen. Der Brandschutzaufsichtsdienst des Landkreises Kassel war ebenso in der Einsatzleitung vertreten, um im Lage- und Führungsraum der örtlichen Einsatzleitung wertvolle Unterstützung zu ermöglichen.
Zudem waren die Feuerwehrleitungen der o.g. Kommunen vor Ort um sich ein Bild von der Leistungsfähigkeit der ehrenamtlichen Einheiten zu machen. Die Übung wurde von verschiedenen Medienvertretern besucht. Zu diesem Zweck war eigens eine Presse- und Besucherbetreuung mit Shuttlefahrzeug und Moderator eingerichtet worden.
Sicherheit und Bilanz
Trotz der realistischen Darstellung, inklusive künstlicher Rauchentwicklung, simulierten Pumpenausfällen und Verletztendarstellern, bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung. Die zentrale Leitstelle war vorab informiert und in die Übung miteingebunden. Besonders hervorzuheben ist, dass der Grundschutz für reale Notfälle in den beteiligten Kommunen während des gesamten Übungszeitraums von 08:00 bis 16:00 Uhr uneingeschränkt gewährleistet blieb.
Die Übungsleitung, bestehend aus den KatS-Zugführern der o.g. Feuerwehren, welche diese Übung über einen Zeitraum von etwa 6 Monaten vorbereiteten, zog ein durchweg positives Fazit: Die Verzahnung von langer Wegstrecke, manuellem Werkzeugeinsatz und kaskadiertem Löschangriff hat sich als hochwirksames Konzept für die Waldbrandbekämpfung in Nordhessen erwiesen. Das Kennenlernen der Bedarfe, aber im Besonderen der erwartbaren Leistungen der einzelnen Züge, ist fundamental für die erfolgreiche Einsatzbewältigung.